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Parallel Vienna Editions: Einstiegsdrogen

Die bisher teuerste Edition der Welt wurde vergangenen Montag in New York verteigert: Andy Warhols „Shot Sage Blue Marilyn“, entstanden im Jahr 1964 erbrachte bei Christie‘s rund 185 Millionen Euro. Auf der Kunstmesse Parallel Editions die noch bis Sonntag im Wiener Semperdepot stattfindet, sind keine Kunstwerke zu derartigen Fantasiepreisen zu finden, gelten Editionen doch als „Einstiegsdroge“, um mit überschaubarem finanziellen Einsatz eine Kunstsammlung zusammen zu stellen.

Auch die zweite Ausgabe der Editionsmesse des Teams rund um den Künstlerischen Leiter Stefan Bidner hat sich den Charme einer Veranstaltung jenseits des Mainstream bewahrt, wozu die großartigen Räume des zur Akademie der bildenden Künste gehörenden Semperdepots einen gehörigen Teil beitragen. Die einzelnen Messestände bilden wie schon letztes Jahr die von Heimo Zobernig konzipierten großen Pressspanplatten auf einfachen Metallböcken. Das passt zur Demokratisierung des Kunstmarktes, die in den Editionen mit ihren günstigen Einsteigerpreisen angelegt ist.

Die Teilnehmerliste umfasst Galerien wie Krinzinger, Thoman, Konzett und Rhomberg – sogar Johann König ist mit seiner Verkaufsplattform für NFTs und analoger Kunst Misa.art präsent. Für die Parallel Editions hat Martin Grandits eine physische Edition mit dem Titel „God Hates Berlin“ konzipiert, die am Wochenende exklusiv in Wien und online zu erwerben ist. „Analoge NFTs“ von verschiedenen Künstler:innen präsentieren die AA Collections. Kleine Bilder mit QR-Codes leiten auf digitale Projekte wie eine Grimassen schneidende Sophia Süßmilch oder einen Clip aus „The Parents‘ Bedroom Show“ von Elisabeth von Samsonow.
Den aktuellen Krieg in der Ukraine greift der in Palästina geborene Osama Zatar bei der Galerie Artecont auf. Nach Jesaja 2.4[i] aus der Bibel transformiert er Waffen zu funktionierenden Werkzeugen wie z.B. Akkuschraubern. Ebenfalls auf die aktuelle Auseinandersetzung referenziert Time Gates (Ben G. Fodor & Dorothee Frank) mit einer Holzbox-Edition, in die ein frisch gekühlter Junghahn aus dem Supermarkt eingelegt wird. In Erinnerung an die jungen Männer die dem Krieg zum Opfer gefallen sind. Die Offspaces Basement und puuul teilen sich einen Präsentationstisch mit Arbeiten u.a. von Marianne Lang, und Hannah Stippl. Auch Never at Home, die aktuell eine ehemalige Schule im ersten Wiener Gemeindebezirk mit Ausstellungen, Ateliers und Workshops bespielen, sind erstmals auf einer Messe präsent und auch Studierende der Akademie der bildenden Künste zeigen Arbeiten auf der ersten Ebene des Semperdepot. Gerade die Mischung aus etablierten Playern am Kunstmarkt, Projekträumen und Kunstinitiativen machen den Reiz der Parallel Editions aus und wer weiß, vielleicht entpuppt sich eine der hier gezeigten Editionen in sechzig Jahren als millionenschweres Investment.

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[i] "Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

 

Mehr Texte von Werner Remm

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Parallel Vienna Editions
12 - 15.05.2022

Semperdepot
1060 Wien, Lehargasse 6
https://parallelvienna.com/
Öffnungszeiten: Do-So 12-20 h


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