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Kardinal König Kunstpreis geht an Michèle Pagel

Die 1985 in Werdau (D) geborene Künstlerin kombiniert Keramikelemente mit Mixed-Media-Materialien zu politischen Installationen. Pagels Skulpturen, für die sie Alltagsgegenstände leicht abstrahiert in glasiertem Ziegelstein kopiert und verfremdet, bestechen durch die zeitlose Formensprache und ihren scharfzüngigen Witz. So wird etwa ein Keramik- Papagei vor einer Schreibmaschine zum „Smooth Operator“ (2019), während eine an eine Topfpflanze erinnernde Skulptur mit dem Titel „All Yours“ (2019) Nudelholz und Pfanne schwingt. In der ehemaligen DDR aufgewachsen, stellt Pagel kapitalismuskritische, feministische und antifaschistische Themen ins Zentrum ihrer Skulpturen und Installationen. Der geschnitzte und oft glasierte Ziegelstein offenbart dabei das geballte zeitgenössische Potenzial der Keramik. Mal unheimlich, mal elegant sind die Werke der Künstlerin auf jeden Fall eines: unerbittlich treffsicher.
Michèle Pagel (geb. 1985) studierte Bildhauerei in Leipzig, Mailand und Wien und diplomierte 2012 bei Julian Göthe an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zwischen 2009 und 2014 unterrichtete sie bildhauerische Keramik an der Kunstuniversität Linz. Ihre Werke sind europaweit in Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, unter anderem im Österreichischen Kulturforum Moskau, in der Startgalerie des MUSA Wien und in der Galerie Meyer Kainer. Michèle Pagel lebt und arbeitet in Wien.

Das prämierte Werk
Die mit dem Kardinal König Kunstpreis ausgezeichnete Installation Pagels trägt den Titel Crrreature Of Habit aus der Werkserie Das Glück ist ein Vogerl (2021). In ihrem Zentrum sitzt ein lebensgroßer männlicher Pfau hinter einer freistehenden Zauntür, der in einen wiederum hinter ihm positionierten Vorzimmerspiegel blickt. Wie viele andere Skulpturen Pagels ist auch der Pfau aus Ziegelsteinen gefertigt, die vor dem Brennen und Glasieren in die jeweilige Form geschnitzt werden. Das Tier, das den Blick vom eigenen Spiegelbild nicht abwenden kann, scheint in einem selbstgewählten Gefängnis zu verweilen. Den Betrachter/innen hat das Tier den Rücken zugewandt. „Sie können dem Pfau nur im Spiegel in die Augen blicken - und sehen sich selbst dabei hinter Gittern“, so die Künstlerin über ihre Installation, die in ihrer allegorischen Doppelbödigkeit gleich mehrere Gefangene macht.

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