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Judith Fegerl - Solar: Jedefrau ihre eigene Solarzelle

Ganz lapidar als ‚solar’ betitelt, überrascht Judith Fegerl in diesem Herbst bei Hubert Winter mit einer Einzelausstellung, die neben einigen alten Bekannten drei Gruppen neuerer, diesjähriger Arbeiten enthält.

Den Auftakt macht ‚last light’ (2021), eine aus acht gebrauchten Photovoltaik Paneelen bestehende Komposition, die entlang einer horizontalen Mittelachse nach Oben und Unten ausgerichtet sind. Auch wenn diese Solarzellen abgeschaltet scheinen, so sind sie dennoch lauffähig. Nur in der Dunkelheit wären sie wahrhaft funktionslos. Doch so, wie sie da als symmetrisch angeordnete Komposition an der Wand hängen, sind es Speicherorte permanenter und unsichtbarer Energie. Auch sind sie schon ein wenig in die Jahre gekommen und man sieht ihnen die Spuren der Energieerzeugung geradezu an. So stellt sich die Frage, wie recycelt man eigentlich Solarpaneele? Eine drängende Frage, auf die es bisher noch keine abschliessende Antwort gibt und eine Flut von Solarpaneelenmüll der ersten Generationen wird uns in den nächsten Jahren förmlich überrollen. Zumindest Judith Fegerl bietet uns nun eine überaus galante Lösung für dieses Problem an. Jedefrau ihre eigene Solarzelle.

Eindrücklich auch die aus vier Arbeiten bestehende ‚series of electric shocks‘ (2021). Es handelt sich um grossformatige ca. 15 bis 20 kg schwere polierte Edelstahlplatten, die in ein Becken mit Kupfersäure gelegt werden. Elektroden kommen dazu und fertig ist das galvanische Bad. Die Dauer der Anwendung und die Intensität des aus Solarenergie gewonnenen Stroms führen zur Kupferabscheidung und den unvorhergesehenen Ergebnissen. Denn zufällige Luftblasen schützen die Edelstahlplatte, so dass es dort zu keiner Reaktion kommt. Die Edelstahlplatte verbleibt mehrere Tage im Bad und indem diese aus dem Bad gehoben wird, wird auch der Prozess gestoppt. Das Resultat sind sublime Gebilde rotbräunlicher Färbung, die je nach Fegerls Geduld oder Ungeduld beim Herausnehmen der Platten aus dem Bad unterschiedliche Farben und Formungen erlangen. Diese Arbeiten kommen am ehesten an Strategie der Künstlerin im Umgang mit Strom heran, welche sie ein „prozesshaftes Entwickeln mit Unbekannten“ nennt.

An der Wand gegenüber die aus 12 verschiedenen Motiven bestehende Serie ‚ppcb‘ (2021). Leiterplatten, die normalerweise in einem photochemischen Verfahren mit Kupferleitungen bedruckt werden, transformieren hier zu Druckplatten. Aus dem printed circuit board wird ein printed printed circuit board. Die Tiefdrucke bestechen durch ihre unterschiedliche Haptik der verschiedenen Oberflächenstrukturen der Leiterplatten. In gewisser Art und Weise wird hier das bereits bei ‚last light‘ benutzte Kompositionsprinzip aufgegriffen und in das Medium des Papiers überführt. Doch auch die Phasen der Erzeugung, des Transportes und der Speicherung, welche sich in vielen Werken Fegerls wiederfinden, sind in diesem 400 Gramm schweren Büttenpapieren nachweisbar. Der Reiz hierbei liegt im Zusammenspiel und Arrangement der unbenutzten Matrixplatten, die ornamentale Strukturen schaffen.

Im hinteren Raum dann ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Fünf der ‚stills‘, jener stillen aus Finnen, Stiften und Stäben geschaffenen Bodenobjekte aus Aluminium (2013), Kupfer (2018) und Messing (2021) sind geschickt in einem energetischen Gleichgewicht mit einem, meiner Ansicht nach dem reizvollsten  Exemplar der ‚series of electric shocks‘ austariert. Bleibt man länger in dieser Kraftzelle, hat man gar das Gefühl in einem Akkumulator zu verweilen.

Unterbrochen werden die gruppierten Serien von kleineren unikalen Kleinodien, die manchmal wie utopisch-energetische Skizzen oder Relikte von energieerzeugenden Prozessen wirken. Auch in dieser Ausstellung bleibt sich Judith Fegerl treu und setzt Kupfer, Stahl und Aluminium ein, um Energieströme für uns sichtbar und greifbar zu machen. Mit den Solar Paneelen, den Elektroschockern und den haptischen Matrixplattendrucken kommen nun noch neue Varianten in das Oeuvre dieser inspirierenden Künstlerin.

Judith Fegerl - Solar
07.10 - 13.11.2021

Galerie Hubert Winter
1070 Wien, Breite Gasse 17
Tel: +43 1 524 09 76, Fax: +43 1 524 09 76 9
Email: office@galeriewinter.at
http://www.galeriewinter.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa 11-14h


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