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Justus Bier Preis für Kurator:innen geht an Ute Stuffer und Axel Heil

Der mit 5.000 € dotierte Justus Bier Preis für Kurator:innen – seit 2009 zum zwölften Mal vergeben – geht in diesem Jahr an die Kurator:innen Ute Stuffer und Axel Heil. Ausgezeichnet werden sie für das Projekt und die Publikation Mondjäger: Nathalie Djurberg & Hans Berg im Dialog mit Asger Jorn (Kunstmuseum Ravensburg, 19.10.2019 – 16.02.2020).

Aus der Begründung der Jury
Der Justus Bier Preis widmet sich Ausstellungsprojekten und Publikationen, die durch eine originelle Themenstellung und eine fundierte fachliche Aufarbeitung beeindrucken. Beides ist nach Meinung der Jury mit dem Projekt Mondjäger beispielhaft gelungen. Die auf den ersten Blick durchaus überraschende Kombination der Stop-Motion-Filme des schwedischen Künstlerpaares Nathalie Djurberg/Hans Berg (*1978) mit den Skulpturen und Gemälden des Dänen Asger Jorn (1914–1973) erweist sich dabei als hochproduktiver Ansatz, um überraschende und bislang nicht gesehene Parallelen in den beiden – auch zeitlich weit voneinander entfernten – Œuvres freizulegen. Instruktiv und ohne jede didaktische Formatierung wird in der Ausstellung wie auch der begleitenden Publikation deutlich, wie sehr beide künstlerische Universen von dem Prinzip einer alles umfassenden Transformation und Metamorphose geprägt sind. Die starkfarbigen Knetfiguren Djurbergs, die sich in einem Prozess fortlaufender Ver- und Umformung befinden, erweisen sich auf dieser Ebene als generische Verwandte zu den expressiven Gestaltwandlern, die in den dynamisch bewegten Farbmassen und -strudeln Asger Jorns auftauchen. Beide Werke betreiben dabei eine kontinuierliche Vermischung zwischen tierischen und menschlichen Wesen, in der sich ein gemeinsames künstlerisches Plädoyer für das Animalische, Wilde, Ungezügelte und eine Absage an eine rein rationale Weltauffassung erkennen lässt. Auch im Hinblick auf die Rolle der Farbe als Ausdruck von existenzieller Befindlichkeit und das Bekenntnis zum Primat der Deformation wie auch der ästhetischen Grenzüberschreitung berühren sich die künstlerischen Positionen.

Die Ausstellung, die von Ute Stuffer, Direktorin des Kunstmuseum Ravensburg, und Axel Heil entwickelt wurde, der mit dem von ihm und Roberto Ohrt verantworteten Projekt zu Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas für das Haus der Kulturen der Welt in Berlin zu Recht viel Beachtung erfahren hat, ordnet sich überzeugend in das programmatische Profil des Kunstmuseum Ravensburg ein, umfasst doch die am Haus befindliche Sammlung Selinka ein Konvolut von Arbeiten Asger Jorns. Die Publikation übersetzt mit klugem Layout durch das Studio S/M/L Berlin, instruktiven Bildvergleichen und substanziellen Textbeiträgen von Axel Heil, Katharina Dohm, Selima Niggl und Lucas Haberkorn auf vorbildliche Weise die Argumentationslinien der Ausstellung und macht sie damit auch im Medium des Buches nachvollziehbar.

Justus Bier
Justus Bier (1899–1990) war von 1930 bis 1936 Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover. Da Justus Bier Jude war, sind seine Entlassung und der Abbruch seines konsequent der modernen Kunst gewidme- ten Programms immer wieder durch die Nazis gefordert worden.
Jedoch hat Justus Bier weder sein Programm geändert, noch wurde er vom Vorstand der Kestner Gesellschaft abberufen. Im Zusammenhang mit seiner Franz Marc-Ausstellung im Jahre 1936 wurde das Institut durch die Gestapo geschlossen.
Nach der gelungenen Emigration in die USA übernahm Justus Bier eine Professur für Kunstgeschichte an der University of Louisville, Kentucky. 1961 wurde er Leiter des Allan R. Hite Art Institutes und dann Direktor des Museums in Ralleigh, North Carolina.

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Abbildung: Ute Stuffer und Axel Heil, Foto:  Wynrich Zlomke

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