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The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990. Sammlung Ludwig: Kalt erwischt

Einen quasi kunsthistorischen Systemvergleich unternimmt die Ausstellung „The Cool and the Cold – Malerei aus den USA und der UDSSR 1960 – 1990“ im Berliner Gropius Bau. Leider wenig überzeugend.

Als die letzte Documenta endlich Bilder des Sozialistischen Realismus ausstellte, da rümpfte die Kritik größtenteils noch die Nase, jetzt zeigt der renommierte Berliner Gropius Bau die Ausstellung „The Cool and the Cold – Malerei aus den USA und der UDSSR 1960 – 1990“. Die opulente Auswahl, generiert aus der Sammlung Ludwig, stellt 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion Kunst aus dem kommunistischen Staat vor und setzt sie neben die der USA, dem vermeintlichen „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ des Kapitalismus. In diesem Sinne ist dann wohl auch die erste Setzung gleich am Eingang zu der von Brigitte Franzen und Benjamin Dodenhoff kuratierten Ausstellung zu verstehen: Links neben der Tür hängt Andy Warhols „Elvis Presley (Single Elvis), 1964, rechts neben der Tür das vergleichsweise unbekannte Bild „Lenin“, 1980 - 82, von Dimitrij Nalbandjan. Moderne Pop Art versus vermeintlich antiquiertem Realismus, der durch und durch vermarktete „King“ des Rock’n Roll gegen den kommunistischen Theoretiker und Gründer der Sowjetunion – so lautet hier der prägnante, aber recht populistische Einstieg, der mit ähnlichen Klischees spielt wie der spannungsreich gemeinte Titel der Ausstellung: der „coole“ Jazz des Westens und der „Kalte Krieg“ ...   

In der kaum endenden Folge der Bilder gelingt dann aber doch wenigstens ein fulminanter Überblick über die Malerei der beiden „Blöcke“ USA und Sowjetunion aus den im Titel angesprochenen drei Jahrzehnten. Neben Pop Art und Sozialistischem Realismus sind da also auch zum Beispiel Bilder des Abstrakten Expressionismus und des Moskauer Konzeptualismus zu sehen. „Big Names“ wie Robert Rauschenberg, Jackson Pollock und Helen Frankenthaler, wie Ilja Kabakov und Komar & Melamid sind in der Ausstellung und ihren 80 (!) Künstler:innen ebenso vertreten wie relativ unbekannte Positionen, was sicherlich ein Pluspunkt von „The Cool and the Cold – Malerei aus den USA und der UDSSR 1960 – 1990“ ist. Motive wie etwa Szenen aus der Raumfahrt, bekanntlich ein prominentes Werkzeug des „Kalten Krieges“, oder welche aus der Landwirtschaft stehen hier stellvertretend für unterschiedliche Ideologien und Lebenswelten. Leider aber können sie letztlich nicht darüber hinwegtäuschen, das die hier von den beiden Kurator:innen präsentierte Kompilation recht konzeptlos erscheint, eine wie auch immer gelagerte These, angesichts dieses Themas gar eine politisch motivierte, wird dann auch keinster Weise formuliert. Aber daran hat man sich bei populären Großausstellungen wie diesen ja leider schon fast gewöhnt.

The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990. Sammlung Ludwig
24.09.2021 - 09.01.2022

Martin-Gropius-Bau
10963 Berlin, Niederkirchnerstr. 7
Tel: +49 30 25486-0, Fax: +49 30 25486-107
Email: post@gropiusbau.de
http://www.gropiusbau.de
Öffnungszeiten: Mi-Mo 10-20 h


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