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Lilli Hollein wird neue Direktorin des MAK

Die Gerüchte, dass die wissenschaftliche Geschäftsführung des MAK wohl nicht dem aktuell amtierenden Direktor weiter übertragen würde, verdichtenden sich vor dem vergangenen Wochenende zur Gewissheit. Christoph Thun-Hohenstein wird das Haus für angewandte Kunst/Gegenwartskunst nicht über das Jahr 2021 hinaus leiten.
Seine Nachfolgerin ist Lilli Hollein, Tochter des Architekten Hans Hollein und Schwester des aktuellen Direktors des Metropolitan Museum New York Max Hollein. Die Gründerin der Vienna Design Week (im Jahr 2007 gemeinsam mit Tulga Beyerle und Thomas Geisler), ist eine der profiliertesten Designexpertinnen die Österreich zu bieten hat, aber auch international hervorragend vernetzt. Mit ihr bekommt das MAK nicht nur erstmals eine Frau an die künstlerische Spitze, sondern auch eine, die das Museum, das nach dem Abgang von Peter Noever und der fast ausschließlichen (Wieder)Ausrichtung auf Design viel Publikum verloren hat.

Nach Peter Noever, der mit spektakulären Kunstausstellungen begeisterte und schließlich eher unrühmlich abtreten musste, setzte der Diplomat Christoph Thun-Hohenstein eine ruhigere Ausstellungsabfolge entgegen und setzte auf die Möglichkeiten des Designs als führende Kraft in der Überwindung aktueller gesellschaftlicher Bedrohungen wie den Klimawandel und die umfassende Digitalisierung. Das brachte zunächst einen Einbruch der Besucherzahlen auf rund 100.000 (2013), die in den vergangenen Jahren auf rund 219.000 im Jahr 2019 mehr als verdoppelt werden konnten.

Lilli Hollein, die mit ihrer Vienna Design Week vor allem ein jüngeres Publikum gewinnen konnte, möchte dieses auch für einen Besuch im MAK gewinnen, „die Fenster aufreißen“ und die Narrative des Museums entsprechend anpassen. Keine leichte Aufgabe, denn die große Aufmerksamkeit des Publikums in Wien gilt immer noch der bildenden Kunst.

Eventuelle, im Vorfeld der Bestellung von der Tageszeitung Der Standard thematisierte Interessenskonflikte, konnten bis zur Bekanntgabe ausgeräumt werden: Der von der Republik angekaufte Nachlass von Hans Hollein, von dem Teile auch für die MAK-Sammlung vorgesehen sind, wird nun gesamt vom Architekturzentrum Wien aufbewahrt und bearbeitet werden. Für das Jahr 2022 wäre im MAK außerdem eine große Hollein-Ausstellung geplant gewesen, die nun wohl nur in kleinerem Umfang realisiert werden wird.

Die wirtschaftliche Geschäftsführung des MAK wird ab 2021 übrigens Teresa Mitterlehner-Marchesani übernehmen.

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Abbildung: Lilli Hollein (c) Katharina Gossow/ VIENNA DESIGN WEEK

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