Ana Berlin,
FIAC 2003: Die Kunstmesse in Paris wird 30
Der Sommer ist vorbei, die Messe-Saison hat begonnen. Berlin ist recht bis schlecht überstanden, Frieze Art in London - mit Spannung erwartet - steht kurz bevor, dicht gefolgt von Köln. Der Sammler von Welt hat einen vollen Kalender, will er alle Termine wahrnehmen. Doch es sind weniger die überall geschätzten kosmopolitischen Kunstsammler als die umtriebigen Galeristen, die es in die Metropolen zieht, um ihre Ware am internationalen Markt an den Mann respektive die Frau zu bringen. Und auch die Messeorganisationen selbst müssen sehen, wo sie bleiben, denn den Standort für alle attraktiv zu halten, ist eine Kunst für sich.
Die Macher der FIAC, neben Art Basel und Art Cologne eine der ältesten Messen, wissen das. Bis vor einigen Jahren im ehrwürdigen "Grand Palais" gezeigt, ist die Schau nun im weniger glamourösen Messegebiet am Stadtrand bei Port Versaille zu sehen. Pariser Flair ist da nicht gerade selbstverständlich. Und nicht nur die Örtlichkeit lässt den 30. Geburtstag zum kritischen Prüfstein werden: Die Konkurrenz aus London, die vier Tage nach Ende der FIAC zu eröffnende Frieze Art Fair, lässt selbst lokale Galerien mit der Teilnahme zögern; so entschlossen sich beispielsweise die jung-renommierte Air de Paris (Paris) und auch Chantal Crousel (Paris) den Engländern den Vorrang zu geben. International spielt die Pariser Messe ebenfalls nicht mehr in der ersten Liga. So fehlen die jungen Amerikaner wie Gavin Brown`s Enterprise oder Naftali Greene, die stets frischen Wind bringen, und auch die Global Players wie Gagosian oder Hauser und Wirth verzichten auf ein Intermezzo an der Seine.
Innovative Ideen wie ein Schwerpunkt mit Videokojen und eine Abteilung mit emerging galleries unter dem Titel "Perspectives" wirken eher zögerlich, sind sie doch im hintersten Teil zwischen Toiletten und Buffet angesiedelt. Darüber hinaus spiegelt die Messe das Dilemma der Stadt wieder, so dominiert auch hier die Moderne und nicht das Zeitgenössische. Die Verlinkung zwischen lokalen Institutionen scheint ebenfalls nicht vorhanden zu sein, gibt es doch derzeit eine große Gauguin-Ausstellung (Grand Palais) und den chinesischen Altmeister Chen Zhen (Palais de Tokyo) zu sehen. Alles in allem ist die Kunstmesse in Paris ein Fall für eine Reform, die nicht mehr allzu lang hinausgezögert werden sollte, denn - siehe oben - die Konkurrenz schläft nicht.
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