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Thomas Trenkler und sein Kommunist

Thomas Trenkler ist wahrscheinlich ein ehrenwerter Mann. Meistens ist er auch ein guter Journalist. Eine fast bis zum Schluss gut und spannend erzählte Geschichte dieser "Seltsame Besitzerwechsel eines Bildes von Hollegha". Erschienen am Dienstag, 23. September 2003 Seite 25 in Der Standard. Ein Bild von Hollegha hängt im Leopold Museum und gehört dort nicht hin. Oder vielleicht doch. Seltsame Wege, viele Spuren. Alles gut recherchiert, flott geschrieben. Ein Lesevergnügen bis zur viertletzten Zeile. Da wird`s dann plötzlich ziemlich fies, untergriffig persönlich und pauschalverurteilend bös. Die Artothek vermisst ein Bild vom Dobrowsky. Ausgeliehen 1945 vom ersten Nachkriegskulturstadtrat Viktor Matejka. Und dann der Satz - "Der Kommunist gab es nie zurück". Was will uns Thomas Trenkler damit sagen? Dass Kommunisten prinzipiell nichts zurückgeben? Dass der verstorbene Viktor Matejka ein Kommunist war? (Stimmte übrigens). Dass Viktor Matejka das Bild zurückgegeben hätte, wenn er kein Kommunist gewesen wäre? Ist also Trenkler der Meinung, dass von dem Kommunisten Viktor Matejka nichts anderes zu erwarten war, als einen Dobrowsky absichtlich nicht zurückzugeben, was so viel heißt, wie ihn zu unterschlagen? Darf es vielleicht auch unabsichtlich gewesen sein, weil der Viktor Matejka z.B. gestorben ist, bevor der Kommunist Matejka den Dobrowsky zurückgeben konnte? Wie auch immer. Dieser dumme, vorverurteilende Satz ärgert mich. Denn Viktor Matejka war ein feinsinniger, humorvoller, kunstsinniger und hochpolitischer Mensch und sicher kein kommunistischer Dieb. Er war in einer der schwierigsten österreichischen Dekaden der zweifellos bestmögliche Kulturstadtrat. Er war bis zu seinem Tod, ein leidenschaftlicher der Allgemeinheit und vorrangig den Wiener Kulturschaffenden dienender Kommunist. Und es war mir stets eine Ehre, wenn er mir einen wohlwollenden väterlichen Rat erteilte. Ich würde nur für wenige Menschen meine Hand ins Feuer legen. Für Matejka jederzeit. Selbst wenn Dobrowskys "Damenbildnis" das "Bildnis eines krähenden Hahns" gewesen wäre. (Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, die den Thomas Trenkler nicht betrifft). Es gäbe sicher viele Möglichkeiten, wie und wo das Bild von Dobrowsky verschwunden ist. Und es gäbe viele Möglichkeiten für einen guten Journalisten eine gute Geschichte zu beenden. Thomas Trenkler hat die schlechtest mögliche Variante gewählt. "Der Kommunist gab es nie zurück" Wenn Viktor Matejka jetzt auf der für Kommunisten reservierten Wolke ganz links außen diese Zeilen lesen könnte, würde er sicher mit einem feinen Lächeln sagen "lass ihn, er mag mich vielleicht nicht" (das war schon fast einer seiner Lieblingssätze). Aber da auch auf den Wolken ganz links außen niemand sitzen wird, bin ich einfach sauer. Denn ziemlich sicher hat der Trenkler den Matejka wenn überhaupt dann nur ganz peripher gekannt. Und ich mag nicht, wenn ein ehrenwerter Mann von einem der sein Enkel sein könnte, nicht ehrenwert behandelt wird. Möge die im letzten Trenkler-Satz zu Hilfe gerufene Kripo endlich zurate gezogen werden. Vielleicht schafft es dann der ehrenwerte Journalist sich zu entschuldigen.

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