Ana Berlin,
Weiße Pferde nach Art des Hauses
Nach der sommerlichen Provinz-Posse rund um den Gelatin-Athleten in Salzburg gibt es nun eine weitere Gelegenheit sich des Themas "Kunst im öffentlichen Raum" anzunehmen. Schauplatz ist diesmal die Wiener Innenstadt. Hier tummeln sich seit geraumer Zeit lebensgroße Lipizzaner-Kunststoff-Skulpturen in den skurrilsten Verkleidungen.
Es muss ja ein bahnbrechendes Konzept sein, bemalte Tiere im Stadtraum zu platzieren, gab es doch bereits Gamsböcke in Kitzbühel und Kühe im Salzkammergut. Die Werbebranche weiß schon seit Jahren, dass kleine Kinder und Tiere verkaufsfördernd wirken. In Wien nun also Pferde. Im PR-Jargon der Veranstalter ist das erklärte Ziel "populäre Kunst, die den Alltag freundlicher macht".
Nicht, dass diese Kitsch-Rosse als Beleidigung des Auges empfunden werden könnten oder das Ganze als zusätzlicher Werbeträger deklariert wird, nein, nennen wir es doch schlichtweg "Kunst". Das innovative Finanzierungsprozedere der verantwortlichen PR Agentur gestaltete sich derart, dass Kaufleute ein Roh-Pferd erwerben, um es KünstlerInnen zur Verfügung zu stellen. In realita sieht das dann so aus: Vor der Aida steht ein aidarosa Pferd namens Aida mit einem "don
t photograph"-Icon. Oder auch gut: Tetra-Pack sponsert den Lipizzaner, der eine Decke aus Tetra-Packs trägt. Der Bank Austria Vierbeiner heißt "Don Banco" und ein Hemdenmacher unterstützt ein Pferd im Kuhoutfit. Die von Stadt-Seite veranwortliche MA 48 ist ganz happy, sich so dynamisch, flexibel und aufgeschlossen präsentieren zu dürfen, die Geschäfte haben eine Sommer-Verkaufs-Maßnahme gesetzt und man hat endlich auch mal wieder was für die Kunst getan. Solange derartige Projekte als ambitioniertes Kultursponsoring durchgehen, darf man sich nicht wundern, dass das Kunstverständnis hierzulande über Klimt nie hinauskam, der Kunst-Kritik, wenn überhaupt, nur Fünfzeiler gewidmet sind und Bürgermeister angesichts eines errigierten Penises Hysterieanfälle bekommen. Es spricht nichts dagegen, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, nur ist es an der Zeit, dass das öffentliche Bewusstsein für Kunst das Kindergarten-Niveau verlässt und nicht mit werblich verwerteter Behübschung verwechselt wird.
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