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Ich will einen weniger konservativen Kunstbetrieb

Andreas Huber hört auf. Nach elf Jahren Galeriearbeit gönnt er sich eine Auszeit, will darüber nachdenken, wie das Modell Galerie weiter zu führen ist. Die Nachdenkpause will er dafür nutzen, sich ein weniger konservatives, freieres Kunstsystem zu überlegen.


artmagazine.cc: Wann ist die endgültige Entscheidung gefallen, die Galerie zu schließen?


Andreas Huber: Ich wollte einfach nicht im gewohnten Trott weitermachen. Meine Überlegungen zum Kunstmarkt und den Galerien der letzten Monate führten dazu, dass ich mich für die Schließung entschieden habe. Auch wenn ich natürlich nicht einfach zusperre und den Schlüssel wegwerfe – irgendwie geht es weiter, wenn auch anders.


Einige GaleristInnen sind nach der Schließung ihrer Räume relativ schnell als Experten bei Auktionshäusern gelandet. Ist das ein möglicher Weg für Sie?


Nein. Auktionshäuser handeln mit Werken, die hauptsächlich vom Primärmarkt entdeckt, gefördert und aufgebaut wurden. Galerien bereiten den Markt für die Kunst, die morgen bei den Auktionen zu ersteigern ist. Ich denke auch nicht, dass das Modell der Galerie ein Auslaufmodell ist, dass man aber vielleicht im Verhältnis zwischen KünstlerInnen und SammlerInnen etwas Neues aufbauen kann. Ich möchte mich auf diese Entdeckungsreise begeben und erfahre jetzt, dass Viele, nicht nur aus der Kunstbranche, mit neuen Ideen auf mich zukommen und den Wunsch äußern, gemeinsam etwas auszuprobieren.


Wäre ein Agenturmodell eine alternative Lösung?


KünstlerInnen schätzen die Galerien vor allem, weil sie die Möglichkeit des regelmäßigen Ausstellens bieten. Ganz ohne Räume geht es also offenbar doch nicht, auch wenn meine Überlegungen genau in die Richtung gehen, nämlich das Modell von Ausstellungsraum, Büro und Lager zunächst mal aufzugeben. Mich interessiert es derzeit einfach mehr, ein Organisationsbüro zu betreiben, um von da meine KünstlerInnen zu unterstützen; allerdings nicht als reiner Kunstagent, aber vielleicht ist das nur der falsche Begriff.


Ist für Sie die Kooperation mit den immer zahlreicher werdenden Project Spaces eine Überlegung wert?


Von meiner Situation und der meiner KünstlerInnen ausgehend kann ich mir zum Beispiel eher vorstellen, im Bereich der Institutionen zu kooperieren. Ich schätze die Arbeit, die in den Project Spaces geleistet wird sehr, glaube aber, dass ich meine Erfahrungen als Galerist in der Zusammenarbeit mit Künstlern, Sammlern und Ausstellungshäusern besser einbringen kann.


Ist die Finanzierung solcher Projekte nicht schwieriger als im Galeriesystem, das ja die Verkäufe als Basis hat?


Ich glaube, dass es sogar leichter ist, weil meine Ressourcen jetzt nicht gebunden sind durch Messekosten, Raummiete und Mitarbeiter. Ich möchte mir das jetzt nicht schön reden, aber die Idee ist natürlich, dass ich mich in verschiedene Projekte nun leichter einbringen kann als das in dem doch sehr engen Korsett von Messen, Galerieausstellungen und Verkaufsdruck möglich war.


Wie waren eigentlich die Reaktionen der Künstlerinnen und Künstler auf die Ankündigung der Schließung?


Es gab natürlich lange Gespräche. Mit manchen war es leichter, mit manchen schwerer. Aber niemand hat gesagt: „Okay, dann interessiert mich eine Zusammenarbeit nicht mehr“. Ich habe immer sehr eng mit den KünstlerInnen zusammengearbeitet und es war mir ein Anliegen, die Veränderung nachvollziehbar zu kommunizieren. Viele meiner KünstlerInnen haben auch internationale Galerievertretungen und werden von mir weiter betreut. Ich bin weiterhin Ansprechpartner für Sammler-Innen und KuratorInnen. Ich werde auch weiterhin Kunst verkaufen, wenn auch aus einer kleineren Struktur heraus. Die enge Beziehung zu den KünstlerInnen bleibt aufrecht. Was hinzukommt, ist eine höhere Flexibiltät von meiner Seite. Ich denke, dass in diesem System die Deleuz`sche Idee der Zelle an Bedeutung gewinnen wird.


Und die Reaktion der Kolleginnen und Kollegen in der Galerienszene?


Die Galerien, mit denen ich eng zusammen gearbeitet habe, zeigen Verständnis für meine Entscheidung. Wir haben in den letzten Jahren ja ein Kunstsystem erlebt, das in ein sehr enges Korsett an Verpflichtungen und Abhängigkeiten gepresst ist. Ohne den Druck, Messebeteiligungen und Kosten wie Mieten und Transporte etc. zu finanzieren, ist es einfacher. Somit bin ich wieder freier, Entscheidungen innerhalb des Kunstbetriebs zu treffen, was ich machen will und was nicht. Das verstehen viele.


Ein Galeriensterben gibt es aber nicht?


Für Wien jedenfalls nicht. Wien hat sowohl als Soziotop für KünstlerInnen, die hierher ziehen, oder für Projekträume als auch von den Ausstellungsinstitutionen her eine hohe Qualität. Die GaleriekollegInnen machen hervorragende Arbeit. Auch ich hätte noch fünf oder zehn Jahre so weiter machen und fast ein halbes Jahr auf Kunst-


messen verbringen können, habe mir dann aber die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoller wäre, gerade diese Zeit mit intellektuell herausfordernderen Dingen zu verbringen. Lasst uns doch neue Modelle und Formen der Zusammenarbeit überlegen! Dazu braucht man aber zunächst Abstand vom laufenden Betrieb.

Ist der allgemein so gehypte Online-Markt für Kunst Teil dieser Überlegungen?


Es gibt online Auktionshäuser und Onlinemessen. Aber ändern sie die festgefahrenen Strukturen dahinter, oder fördern sie sie sogar? Auch als Galerie habe ich Werke per digitaler Abbildung verkauft. Digitalisierung spielt sicher eine Rolle in meinen Überlegungen, wenn sie dazu dient, die Aufmerksamkeit wieder mehr auf die Kunst zu fokussieren.
Für mich kann dieser Kunstbetrieb ruhig wieder freier und von der Struktur her gesehen weniger konservativ werden.

Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Schade
Nikolaus lehner | 24.08.2017 08:41 | antworten
Huber wird uns sehr fehlen !!

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