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Die Grenze des Unbegrenzten

Montag ist Liste. Während die Avantgarde sich im Warteck Areal traditionell gegenseitig auf die Füße steigt und in den engen Stiegenhäusern schwitzend aneinander vorbeischiebt, flanieren die je nach Lesart weniger hippen oder entspannteren Sammler unter der luftigen Kuppel der ehemaligen Markthalle über die Volta.

Der Untertitel "Basel's Art Fair For New International Positions" ist bereits seit einiger Zeit überholt. Das wird schon am Eingang klar, wenn dem Besucher Arbeiten des Japaners Yoshishige Furukawa am Stand von Maus Contemporary aus Birmingham in Alabama ins Auge springen. Die sparsamen, höchstens zweifarbigen Leinwände bieten alles, was das risikoaverse Sammlerherz aktuell begehrt: ein abgeschlossenes Werk, gemäßigte Abstraktion und ein Preisniveau, das noch Luft nach oben hat. Die Preise liegen zwischen 8.000 und 30.000 Euro netto. Das Teilnehmerfeld der Volta ist für einen Satelliten recht stabil, was für die Qualität der Messe spricht, auch im Bereich der Sekundärware. Ein großformatiges Gemälde des Pop-Artisten Erro  aus dem Jahr 1980 ist bei Ernst Hilger aus Wien für 160.000 Euro zu haben. Da zahlt sich der Preisvergleich mit ähnlichen Werken auf der Muttermesse aus. Auch bei den jungen Positionen scheint sich die Auswahl dankenswerterweise zu stabilisieren. Die seit fünf Jahren bestehende Bukarester Galerie Anca Poterasu ist hier zum zweiten Mal dabei. Ein nächstes Wiedersehen ist im Herbst in Wien möglich.

Genau diese Art der kontinuierlichen internationalen Sichtbarkeit sei entscheidend, erklärt Joseph Tang aus Paris, dessen Galerie ebenfalls seit fünf Jahren existiert. Daher nimmt der Mitbegründer des angesagten Fiac-Satelliten Paris Internationale jetzt erstmals an der Liste teil. Die Zahl der Neulinge auf der wichtigsten Nebenmesse der Welt hat in dieser Ausgabe leicht zugelegt. Gleichwohl stellt sich beim Besuch ein gewisses Gefühl der Erstarrung ein. Einige Aussteller scheinen mittlerweile zum festen Inventar des verwinkelten Gebäudes zu gehören, ohne dass irgendeine Entwicklung stattzufinden scheint. Andere, wie KOW aus Berlin, sind zwar einerseits ganz zufrieden mit den gebotenen Bedingungen, würden aber andererseits ihre raumgreifenderen Positionen wie Candice Breitz und Franz Erhard Walther gerne ebenfalls auf der Art Basel präsentieren.

Da bleibt als sinnvolle Alternative nur die Art Basel, am besten mit ihrem Format Unlimited. Das hat allerdings so seine Tücken, die zunehmend aus dem Ruder zu laufen scheinen. Es ist natürlich toll, den letzten verfügbaren "Komet" von Jan Dibbets in pristinem Erhaltungszustand zu entdecken (700.000 Euro, Konrad Fischer, Dpsseldorf/Berlin) oder das ornamentale Panorama "La Longue Marche" aus dem Jahr 1974 von Julio Le Parc (Perrotin, Paris). Es ist gleichfalls interessant, den jungen Malerstar Secundino Hernandez (Grässlin/Krinzinger/Miro) am großen Format scheitern zu sehen. Doch der Zwang zur Größe treibt in der Aufmerksamkeitsökonomie einer Kunstmesse seltsame Blüten: nackte junge Damen bemalen sich gegenseitig, eine andere drapiert sich in hautengem Kleid auf einem ohrförmigen Sofa,  in einem Haus aus Kochtöpfen wird für Besucher gekocht. Das ist in weiten Teilen weder neu noch originell. Vielleicht hat die Unlimited ihre Grenzen gefunden.


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Volta
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