Werbung
,

Jonathan Meese - DE PAKT MIT RICHARD WAGNERZ (Gestattns’: Die Hügeljanerz hebens’ ab…): Meese Wagnis

Gleich, ob man auf Jonathan Meeses totale Kunst steht oder nicht: der langhaarige, die Adidas Jacke als sein Merkmal tragende Künstler, der sich als Kampf-, Runen-, Blut-, wie auch „Babydyktatyr“ stilisiert, hat im Rahmen der heurigen Wiener Festwochen einen überwältigenden, voller Inbrunst und dreifach starken Beitrag geleistet: Im „Velásquezraum“ des Kunsthistorischen Museums zeigt er in einer Intervention Parsifal's Traum: Chefsache »K.U.N.S.T.« vier neue mit Energie und Linienkonstellationen als Sinnbilder der (Welt)Kräfteverhältnisse aufgeladenen, relativ kleinen Bilder plus eine Kopfskulptur; im Theater an der Wien setzt er sich als Kostüm-, Bühnen- und Regieautor in der Oper „Mondparsifal Alpha 1-8 (Erzmutterz der Abwehrz)“ von Bernhard Lang mit Richard Wagners letzter Oper Parsifal samt ihrer Helden auseinander und in der Galerie Krinzinger zeigt er neben zeichnerischern und bildnerischern Entwürfen zum Thema Parsifal & Richard Wagner ebenfalls seine neuesten Großformatbilder und originelle, bunte Papiermasken. Alles halt in einer neuen Dimension der Kunst befördernden Weltrauminszenierung. Ein Krinzinger Manifest darf dabei auch nicht fehlen, in dem erneut zu lesen ist, dass „Kunst kein politischer Raum ist“ und „in der Kunst nur Kunst erlaubt ist“. In dem mit 30.04.2017 datieren Manifest hört der 47-jährige Meese („als religionslosester Künstler“) nicht auf, im agitatorischen Staccato weiterhin zu predigen, dass „Diktatur der Kunst“ und ihre „hermetische Revolution“ (d.h. auf Kunstfeld beschränkt) im Kommen sind. Aus Wagners Musik kreiert Messe ein neuartiges visuelles „Meese Wagnis“. 

Es mag sein, dass sich das Publikum und mittlerweile auch die Kritik an Meeses Appellative und Vorliebe für faschismusnahe „Überväter“ wie Hitler, Pound, Wagner oder Heidegger gewöhnt hat. Dennoch bleibt immer noch offen - wenn er sich neuen Reizthemen oder Herrschertypen zuwendet - ob dann sein neues (theatralisches) Slapstick oder ein anderes „visionäres“ Kunststück doch letztlich für einen Skandal oder zumindest eine akkurate Empörung sorgen kann. 2016 bei den Bayreuther Festspielen stieß beispielsweise sein Regievorschlag zu Parsifal auf plötzliche Absage und Demontage. Dabei sind  Meeses einschlägige Wortkapseln, die wie Tweets wirken und seine Artefakte vermehrend bevölkern, beschleunigen oder verlangsamen sowie den Horror-  und SiFi-Filmen entlehnte bildnerische Szenarien  - Selbstbildnisse und Historienbilder -  zeitgemäßer und fortschrittlicher denn je. Sie scheinen auf eine Vorwegnahme von bestimmten „unbändigen“  und undiplomatischen Verhaltensmustern und Selbstinszenierungen einiger grober oder egomanischer gegenwärtiger Politiker zu verweisen. Obwohl das deutsche Enfant Terrible immer wieder verkündet, dass Kunst ihm nicht so wichtig sei, ist sie für ihn absolut zukunftsweisend, dazu noch im Großformat eines verträumten und Ewiggestrigen Gesamtkunstwerkes. Meese glaubt nämlich immer noch, dass die Kunst das Leben verändern kann, was seinen Arbeiten und Performances den Appeal eines vitalisierenden Retroavantgardismus verleiht. Dieser Eskapismus bringt bei ihm eine nicht ganz unwahrscheinliche Fiktion ins Spiel.

Die an infantile Barbarei erinnernden Inszenierungen und Gemälde des vermeintlichen Kunst- und Weltretters Meese sind diesmal – sowohl in der Oper als auch in den Ausstellungen – der Idee eines Weltraumschiffes verpflichtet. Dieses kann als eine Analogie zwischen Symbolen des Kommens und Gehens und möglicherweise auch als die Flucht und Befreiung aus den eng gewordenen politischen und ökonomischen Zwängen bezeichnet werden. Und dennoch trifft seine neue Bildgruppe bei Krinzinger - auf der malerisch grässlich zermürbte Fratzen mit stechenden Augen eines Mondparsifals alias Zed II und Zardoz II zu erblicken sind -  humoristisch-ernsthaft auf malerisches Gegröle wie I want to stay at home, Zu Hause, Kunst ist Dein Zuhause oder K.U.N.S.T ist zu Hause. Von welcher heilen Welt ist hier eigentlich die Rede? Gesteht dieser Baby-Talk die Kehrseite machtpolitisch entfremdeter Gegenwart?  Bissige und satirische Kommentare und das Verhalten des Künstlers hinsichtlich der langjährigen Geschichte nationaler Mythen entlarven immer konkreter die zunehmend gängigen Chimären und Delirien der Mächtigen dieser Welt: Hegemonie, Konfrontation  und Un-Kultur.

Jonathan Meese - DE PAKT MIT RICHARD WAGNERZ (Gestattns’: Die Hügeljanerz hebens’ ab…)
02.06 - 05.08.2017

Galerie Krinzinger
1010 Wien, Seilerstätte 16
Tel: +43 1 513 30 06, Fax: +43 1 513 30 06 33
Email: krinzinger@galerie-krinzinger.at
http://www.galerie-krinzinger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18, Sa 11-14 h

Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2017 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige