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William Kentridge - Thick Time. Installationen und Inszenierungen: Theatrum Mundi

Am 8. August hatte bei den Salzburger Festspielen die Oper Wozzek von Alban Berg Premiere. Die Regie führte der südafrikanische Künstler William Kentridge, der seit den 1970er Jahren immer wieder Bühnenstücke gestaltet, seit 2000 in größerem Rahmen. So auch 2015 als er die Alban Berg Oper Lulu für De Nationale Opera, Amsterdam und für die Metropolitan Opera, New York inszenierte.


Die beiden großen Ausstellungshäuser Rupertinum und Museum der Moderne Mönchsberg widmen nun dem umfassenden Ouevre von William Kentridge ihre Festspielschauen.


Während im Rupertinum - neben dem Haus für Mozart, wo die Wozzek-Premiere stattfinden wird, die Theater- und Operntätigkeit des Künstlers dokumentiert, zeigt das Museum der Moderne die filmischen-, theatralischen Arbeiten, Performances und situationistischen Modelle die in der Kunst William Kentridges eine so überzeugende Rolle spielen.


William Kentridge, 1950 in Johannesburg geboren und immer noch dort lebend, hat eine Schauspielausbildung genossen, die seiner Tätigkeit bis heute anzumerken ist. Seine Themen sind das Aufbegehren der Unterdrückten, das er angesichts des jahrzehntelangen Apartheitsystems ständig vor Augen hatte.


Das Misstrauen gegenüber politischen Lösungen durch Revolutionen kommt bei Kentridge in verschiedenen Arbeiten zum Ausdruck. Bei der filmischen Arbeit „Notes Towards a Model Opera“ von 2015 tanzt eine afroamerikanische Tänzerin mit dem roten Käppi der Chinesischen Kulturrevolution mit Gewehr am Rücken klassische Ballettschritte, im Hintergrund wechseln großformatige Landkarten wie Tapisserien einander ab.
Die Fragwürdigkeit der maoistischen Lehre und deren Export in die Welt werden hier in einer sehr spielerischen und anmutigen Weise vorgeführt. Zugleich gibt es bei Kentridge auch eine gewisse Sympathie für revoltierende Systeme, die aber dennoch wie in „O Sentimental Maschine“ von 2015 - Trotzkis Rede während seines Aufenthalts am Marmarameer, der Lächerlichkeit preisgegeben werden.


Die individuelle und zugleich universelle Suche nach Glück lässt sich auch in den Filmen von William Kentridge finden. So auch in seiner Arbeit „7 Fragments for George Méliès, Day for Night. Journey to the Moon“, 2003. Die Arbeit ist eine Hommage an den französischen Filmemacher Georges Méliès (1861-1938), der mit seiner „Reise zum Mond“ 1902 berühmt wurde.
Im gleichnamigen Trickfilm von Kentridge bildet dessen Atelier den Orbit wo er in schwarz-weiß Manier seine Moccatasse als Farbbehälter, als Fernrohr zu den Sternen und als mikroskopisches Instrument verwendet. Es ist hier das individuelle Archiv des Ateliers das als experimenteller Gedankenraum zum Tragen kommt.


Kentridge zitiert in seinen Arbeiten häufig filmische Aspekte der 1930er Jahre, zum Beispiel in dem Bühnenbild zu „Preparing the Flute“ von 2005, auch setzt er gerne den Rückwärtslauf als künstlerisches Mittel ein.


Der Kunst William Kentridges kann man sich sehr gut an Hand seiner Kurzfilme nähern. Sie werden im Museum der Moderne in einem Seitenraum gezeigt und geben einen detailreichen Einblick. Vor allem werden grundlegende Strategien, seiner Kunst sichtbar.


Bombastisch, theatralisch, fröhlich und traurig zugleich gestaltet sich ein Begräbnisumzug im Obergeschoß des Museums am Mönchsberg. Es ist der 2016 entstandene Zyklus „More Sweetly Play the Dance“ - übersetzt „Spiel süßer den Tod“ - den Kentridge montierte. Zu lauter Musik die aus seinen immer wieder verwendeten typischen Trichtern kommt, ziehen Bauern, Kranke, Gefangene, Flüchtlinge im Halbschatten als Scherenschnitte tanzend an uns vorbei. Es ist ein Fest für das vielfältige Leben im Angesicht des Todes. Ein fröhliches Memento Mori, bei dem uns das Lächeln auch im Hals stecken bleiben kann. Der Umzug passt ebenso gut zu den Stürmen unserer Zeit wie in das ursprünglich barocke Salzburg.


Kentridges Inszenierung von Wozzek stellt sicher einen Höhepunkt in der Salzburger Auseinandersetzung mit diesem Jahrhundert-Künstler dar und sollte wie die begleitenden Ausstellungen nicht versäumt werden.


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Wozzek noch am 17., 24. und 27. August
Programm und Tickets

William Kentridge - Thick Time. Installationen und Inszenierungen
29.07 - 05.11.2017

Museum der Moderne Salzburg Mönchsberg
5020 Salzburg, Mönchsberg 32
Tel: +43 / 662 / 84 22 20-403, Fax: +43 / 662 / 84 22 20-700
Email: info@mdmsalzburg.at
http://www.museumdermoderne.at
Öffnungszeiten: Di bis So 10-18, Mi 10-20 Uhr

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