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Simon Wachsmuth - Some Descriptive Acts: China Girl?

Mit „Some Descriptive Acts“ zeigt die Zilberman Gallery Berlin ihre erste Einzelausstellung des documenta 12-Teilnehmers Simon Wachsmuth. Eine überzeugende Show der leisen, aber präzise nachdenklichen Töne.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Some Descriptive Acts“ – der Titel zitiert den Philosophen Ludwig Wittgenstein – steht Simon Wachsmuths 22 Minuten langer Film „Qing“, 2016, der in der Galerie als Doppelprojektion gezeigt wird. Der Künstler beschreibt diesen Film selbst lapidar so: „Er zeigt eine Tänzerin, die sich vor unbestimmten Hintergrund entlang einer imaginären Linie bewegt und dabei auf Seidenkleider und Porzellan stößt“. Wohl bewusst spart Wachsmuth hier in seinem „descriptive act“ alles aus, was seine Arbeit zu einer wirklich interessanten macht, so bewegt sich die Tänzerin nämlich nicht nur, sondern sie zitiert dabei den Stil eben des Ausdruckstanzes, den Wachsmuths Großtante Dita Tenger in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in Wien getanzt hat. Und die Seidenkleider sowie das Porzellan stammen aus dem Besitz dieser Großtante, die Ende der 1930er Jahr nach China auswanderte – u.a. um vor den deutschen Nationalsozialisten zu fliehen. Als Dita Tenger dann 1942 in Asien starb vermachte sie die chinesischen Gewänder ihrer Schwester, so kamen sie nach Wien. Genau diese, im doppelten Sinn des Wortes, Geschichte nun erzählt der Film „Qing“, eine Geschichte von Annäherung an fremde Kulturen, von Versetzung dieser Kulturen in andere räumliche und zeitliche Kontexte, sowie nicht zuletzt von der Rolle, die körperliche Bewegung (als Gedächtnis) bei diesen Transformationen spielt. Entscheidend ist, dass „Qing“ Geschichte dabei als einen offenen Prozess beschreibt, der stets hervorgeht aus unterschiedlichen Narrativen, aus Zuschreibungen und Interpretationen, die alles andere als „objektiv“ sich behaupten können. „Sowohl der Anfang wie das Ende des Films bleiben rätselhaft“, sagt Wachsmuth dann auch.

Erstmals wurde der Film letztes Jahr im Rahmen des „Steirischen Herbst“ in Graz gezeigt, hier wird er komplementiert durch zwei Vitrinen, in denen der Künstler – ganz in der Tradition von Aby Warburg – Material zusammengestellt hat, das Themen wie z. B. Tanz, Entkleidung und Familiengeschichte in eine Konstellation bringt, die vor allem eines leistet: Einzelne Gesten werden dargestellt in ihrer Bewegung durch die Zeit, in ihren interpretierten Funktionen etwa im alten Ägypten oder vergleichsweise im Berlin der Weimarer Republik.
Ergänzt wird die intelligente Ausstellung durch die zwei Fotoserien „Signature“, 2007 – 2012, und „Master of the Nets – The Kochi Tiles“, 2017, in denen ebenfalls die Subjektivität und Prozesshaftigkeit von Geschichtsschreibung zur Disposition steht. Bemerkenswert ist auch der Katalog, den die Galerie zur Ausstellung herausgebracht hat, besticht er doch sowohl durch seine kluge Bildauswahl wie durch seine lesenswerten Texte.

Simon Wachsmuth - Some Descriptive Acts
04.03 - 20.04.2017

Zilberman Gallery
10623 Berlin, Goethestraße 82
Tel: +49-30-31809900, Fax: +49-30-31809901
Email: zilberman@zilbermangallery.com
http://zilbermangallery.com
Öffnungszeiten: Di-Sa 11-19 h

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