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Jaguars and Electric Eels: Natürlich künstlich?

Dass die Sammlung von Julia Stoschek, die spezialisiert ist auf Kunst mit bewegten Bildern, überaus gut bestückt ist, ist bekannt. Gleich die erste Arbeit der Themen-Ausstellung „Jaguars and Electric Eels“ - der Titel zitiert den englischen Titel einer Schrift von Alexander von Humboldt aus dem Jahre 1853 - belegt es. Da ist nämlich Sturtevants beeindruckende Videoinstallation „Finite/Infinite“, 2010, zu sehen, die in einer Endlosschleife einen von links nach rechts durch das horizontale, langgestreckte Bild laufenden Hund zeigt. Eine faszinierende Bewegungsstudie in der Tradition von Eadweard Muybridge, die die Wahrnehmungsleistung des Betrachters dank der redundanten Wiederholung gezielt an seine Grenzen bringt. Doch Sturtevants Arbeit zeigt bereits auch das Problem dieser Ausstellung, die eine Wirklichkeit beleuchten will, „die Natürlichkeit und Künstlichkeit nicht mehr unterscheidet“ (Ausstellungsführer), denn klarerweise passt Sturtevants Installation irgendwie zum Thema Natur, die selbst gestellte Aufgabe der Ausstellung aber geht sie nicht wirklich an.


Ähnliches gilt für beinahe für alle der hier gezeigten Artefakte, die fast durchgängig sehenswert sind, aber mit dem hier vermeintlich zur Diskussion stehenden Komplex „Natürlichkeit/Künstlichkeit“ letztlich nicht all zu viel zu tun haben. Als ein weiteres Beispiel hierfür sei Bill Violas Video „The Reflecting Pool“, 1977-79, angeführt. Das Video zeigt einen im Grünen liegenden Pool auf den ein Mann, es handelt sich um Viola selbst, hinläuft und zum Sprung hinein ansetzt. Mitten in der Luft aber wird sein Sprung angehalten, langsam löst sich sein Bild auf, während unter ihm das Wasser im Pool sich weiterhin „ganz normal“ bewegt. Besagter Ausstellungsführer schreibt selbst von einer „Medienreflexion par excellence“ und trifft damit den Kern der Arbeit, mit einem Nachdenken über „Natürlichkeit“ aber hat das wenig zu tun.


Die Ausstellung „Jaguars and electric Eels“ beweist so unbeabsichtigt, dass die kuratorische Strategie, aus einer guten und umfangreichen, aber nicht themenorientierten Sammlung, einzelne Arbeiten auszusuchen um sie dann unter einem ausgewählten Thema zu präsentieren, in aller Regel nicht aufgehen kann.  


Ärgerlich auch, dass die wenigen direkten Bezugnahmen zum Ausstellungsthema dann prompt arg simple und unpräzise sind, etwa wenn da, zudem recht lieblos im Raum platziert, Martin Honerts etwa lebensgroße Skulptur „Eisbär“, 1995/2001, in diesem Kontext hier auf Klimawandel und Gletscherschmelze anspielen muss, obwohl sich diese Arbeit eigentlich auf eine gänzlich anders gelagerte Erinnerung des Künstlers bezieht, nämlich auf den Kinderbuchklassiker „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) von Erich Kästner.  


Dennoch: Die Qualität der meisten gezeigten Arbeiten macht den Besuch der Ausstellung dann doch zu einem spannenden.

Jaguars and Electric Eels
05.02 - 26.11.2017

Julia Stoschek Collection
10117 Berlin, Leipziger Strasse 60 (Eingang über Jerusalemer Strasse)
Tel: +49 30 921 06 246 0
Email: info@jsc.berlin
http://www.jsc.berlin/
Öffnungszeiten: Sa, So 14-20 h

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