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ARCC Popup exhibition #1: Le Mal des Fleurs. Curated by Angela Stief: Pop-Up Arche für die Kunstcommunity

Der Wiener Kunstszene, so sagt man, fehlen neue, junge Galerien. Zwar verzeichnet die Stadt mit Croy Nielsen, Beck & Eggeling und Crone (2015) interessante Neuzugänge, aus der heimischen Szene heraus hat sich in den letzten Jahren aber nur wenig entwickelt – Nathalie Halgand und Lisa Kandlhofer einmal ausgenommen.

Nun hat sich ein Duo zusammengetan das versucht, alternative Wege der Kunstvermittlung und vor allem des Kunstverkaufs zu gehen. Ulla Bartel, Betriebswirtschafterin und Startup Coach und Rudolf Leeb, ehemals Leiter Sponsoring und Community Affairs der BAWAG P.S.K., damals zuständig für die wirtschaftliche Leitung der BAWAG Foundation, haben mit ARCC.art (ARC steht für Arche und das zweite C für Community) ihr eigenes Startup gegründet, das sich junger und noch nicht am Markt etablierter KünstlerInnen annehmen will. Mit einem online-Shop sollen neue Käuferschichten angesprochen und die KünstlerInnen im Markt positioniert werden. Offline sollen Ausstellungen an wechselnden Locations zu unterschiedlichen Themen mit Rahmenprogramm das Publikum anziehen.

Für die erste Ausstellung im Stilwerk Wien haben die beiden die erfahrene Kuratorin Angela Stief beauftragt, die selbst schon erfolgreich Popup-Galerien in Linz und Wien organisiert hat. Die von Stief zusammengestelle Auswahl spiegelt die Philosophie von ARCC wider. KünstlerInnen wie Birgit Knoechl, Haruko Maeda oder Enrique Fuentes hatten bereits Galerieausstellungen, werden aber derzeit nicht von Galerien vertreten, ein wirklicher Durchbruch steht noch aus.

Als Thematik der Ausstellung hat sich Angela Stief die Natur bzw. das Florale ausgesucht. Der von ihr gewählte Titel „Le Mal des Fleurs“ verweist lose auf Baudelaires „Blumen des Bösen“ (Les Fleurs du Mal) und erweist sich als eine Hommage an die Wiener Morbidität. Zentrales Gemälde der Ausstellung ist Haruko Maedas „Nebenfrau Yodo“. Maeda, geboren in Japan, kam nach Europa um an der Kunstuniversität Linz zu studieren. In ihrer Malerei verbindet sie die kulturelle Tradition ihres Heimatlandes kritisch mit europäischer Mystik, bettet den Tod in ihren Gemälden ein in florale Motive, die auch bei Lennart Graus Werk „One Day in Infinity“ den Rahmen abgeben für ein zerfließendes Anti-Portrait (siehe Abbildung) in dem Werden und Vergehen ebenso Thema sind wie Pathos und Kitsch. Weniger floral als dschungelartig wuchern die Installationen von Birgit Knoechl. Die 1974 geborene Künstlerin baut aus Papier in den Raum wuchernde, organisch anmutende Gebilde, die sich detaillierter auch in ihren Zeichnungen finden. Dass Enrique Fuentes aus Mexiko stammt, merkt man in dieser Ausstellung ganz besonders: Seine tanzenden und grinsenden Totenköpfe aus der Serie „Catrina“ erinnern an den farbenfrohen Totenkult seiner Heimat zu Allerheiligen, den auch Philipp Hanich zum Thema seines Gemäldes „Dia de los muertos“ macht. Ästhetisch ansprechend und an die dunkle Jahreszeit erinnernd ist die Serie „Botanischer Garten“ der 1977 in Athen geborenen und lebenden Ismini Adami. Die in Schwarztönen gehaltenen Detailaufnahmen von Pflanzen im Botanischen Garten, Berlin, stehen in der Tradition der klassischen Naturfotografie im Stil von Karl Blossfeldt, Ansel Adams und Edward Weston.

Insgesamt ist „Le Mal des Fleurs“ eine lustvoll-morbide Ausstellung die im Gesamteindruck zwar nicht wirklich Weihnachtsstimmung verbreitet, aber den Betrachtern einen wohligen Schauer über den Rücken rieseln lässt.

ARCC.art wird nach der Popup-Ausstellung im Stilwerk einen 150 m2 großen Ausstellungsraum in der Kaiserstraße im siebenten Wiener Gemeindebezirk eröffnen, den man neben eigenen Ausstellungen auch für Design- und Modepräsentationen nutzen will. Auch wenn ARCC.art damit recht nah am klassischen Galeriemodell operiert, wird es spannend sein zu sehen, ob das Duo Bartel und Leeb damit eine nachhaltige Alternative im heimischen Kunstsystem entwickeln kann.

Online shop unter: www.arcc-art.com
ARCC Popup exhibition #1: Le Mal des Fleurs. Curated by Angela Stief
23.11 - 23.12.2016

Stilwerk
1020 Wien, Nouvel Tower, Praterstraße 1
http://www.stilwerk.at/wien-haus.php
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19, Sa 10-18 h


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