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Julian Schnabel - Works On Paper: Der Mann ohne Signatur?

Die Galerie Ernst Hilger zeigt mit „Julian Schnabel – Works on paper“ erstmals eine umfangreiche Ausstellung zum Œuvre des Künstlers in Österreich. Der 1951 in Brooklyn geborene Schnabel zählt heutzutage zu den bedeutendsten amerikanischen Malern und profiliert sich auch seit den 1990er Jahren als Filmemacher. Neben Jean-Michel Basquiat und Keith Haring gilt Schnabel als wichtiger Vertreter des Neoexpressionismus.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von 1983 bis heute: Collagen, Monoprints, Grafik-Editionen, Sieb- und Pigmentdrucke. Der Fokus liegt jedoch auf den aktuellen Arbeiten, insbesondere auf dem im neoexpressiven Stil angefertigten violetten Bildzyklus zur 240-jährigen amerikanischen Unabhängigkeit. Die in den Grafiken abgebildete Schlachtszene, die Kapitulation der Briten in der Schlacht bei Yorktown, ist dem „American Revolution Wallpaper“ aus dem Weißen Haus entnommen und symbolisiert die Geburtsstunde der USA. Auf Grund der Beteiligung von mehr als 5000 deutschen Soldaten wird sie auch als deutsche Schlacht bezeichnet. Indem Schnabel die Figur des Barons von Steuben in die Bildmitte einer seiner Pigmentdrucke setzte, bezieht er sich explizit auch auf die bestehende freundschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und den USA. Die Serie „Childhood“ zeichnet sich durch Expressivität aus. Die ausdrucksstarke, verschwommene Violettfärbung, die durch gewässerte Tinte entsteht und sich variierend einmal in kräftigem und dann wieder in sphärischem Violettton über das Blatt zieht, unterstreicht das Gestische, Spontane und Lebendige in Schnabels Grafiken. Gekonnt manifestiert sich hier seine abstrakte Denkweise als Maler, indem er wenige Pinselstriche sowie gesprühte und gespritzte Farbe einsetzt. Es sind der vitale, kraftvolle Stil und die Spannung im Bildkontext, die Schnabels einzigartigen Stil ausmachen.

Bekannt wurde der „junge Wilde“ mit seinen “Plate Paintings“, großformatigen Scherbenbildern auf Leinwand aus zerbrochener Keramik, Teller- und Geschirrteilen, Wachs und Farbe. Er bediente sich unterschiedlichster Materialien, so malte er unter anderem auf Samt, Tierhäuten, Spiegeln und gefundenen Gegenständen.

Gelegentlich wird Schnabel vorgeworfen, keine eigene Handschrift zu haben und zu oft den Stil zu wechseln. Aber dennoch zeichnet sich dieser durch Emotionalität, brutale Expressivität und eine collageartige Malweise aus, die jede Form von Minimalismus negiert. Er agiert wie ein Regisseur, denkt wie ein Filmemacher und umgekehrt ist er der Regisseur, der malerisch inszeniert.
Julian Schnabel geht es nicht darum, dass Menschen seine Werke verstehen, vielmehr werden sie erst durch den Betrachter lebendig. Es geht ihm um die Emotionen der Menschen, um das, was sie fühlen, wenn sie vor dem Werk stehen, aber nicht darum, seine eigenen Gefühle zu vermitteln.
Neben seiner Tätigkeit als Maler genießt Schnabel auch den Glamour als Filmemacher. In den 1990er Jahren wurde er erstmals mit dem Film „Basquiat“ bekannt, für „Schmetterling und Taucherglocke“ mit Mathieu Amalric gewann er den Regiepreis in Cannes und 2008 den Golden Globe. Weiters gestaltete er Covers für die Red Hot Chilly Peppers und Lou Reed. Ein richtiges Multi-Talent eben!
In seinen ebenfalls 2016 entstandenen Grafiken „Untitled (der Dom zu Köln)“, „Untitled (Rhein mit Siebengebirge)“ oder „Untitled (Ritterburg) übermalte Schnabel alte Schulkarten aus den 1950er und 60er Jahren. Ein lila und violetter Kranz schlingt sich um das Dach und die Türme des Kölner Doms. Im Vordergrund durchtrennt ein dicker Strich die Domfassade. Die unter dem Namen „Rheinromantik“ zusammengefassten Grafiken verfremden das alte pädagogische Kartenmaterial und erscheinen in einer neuen Lebendigkeit und Expressivität – also in jenem einzigartigen Stil, der Julian Schnabel auszeichnet.
Julian Schnabel - Works On Paper
21.10 - 19.11.2016

Galerie Ernst Hilger
1010 Wien, Dorotheergasse 5
Tel: +43 512 53 15, Fax: +43 513 91 26
Email: hilger@hilger.at
http://www.hilger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 10-17

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