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curated by_Michel Blancsubé - “Ich habe beschlossen, glücklich zu sein, weil es gut für die Gesundheit ist.“: Jenseits des Märchens

Unter dem Motto „Meine Heimat hab ich mir selbst ausgesucht“ pulsiert das Wiener Galerienfestival curated by_ bis zum 15. Oktober unter dem Spiritus Rector Diedrich Diederichsen durch Wien.

Der französische Kurator Michel Blancsubé, wählte die tschechisch-kanadische Künstlerin Jana Sterbak, deren Arbeiten schon mehrmals in der Galerie Steinek zu sehen waren. Zuletzt war Sterbak in der feministischen Gruppenaustellung „vivace“ 2015 hier vertreten. Ab dem 3. Dezember 2016 werden ihre Arbeiten im Innsbrucker Taxispalais zu sehen sein.

Sterbak stellte ihre Arbeiten unter dem einleitenden Satz - „I decided to be happy, because it`s good for one`s health“ – zusammen.

Dieser rationale Schluss, „lieber glücklich zu sein als sich zu kränken“ hat einen resignativen Ton und eine gehörige Portion Selbstbehauptung, wie es auch dem Titel von curated by zu Eigen ist. „Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgesucht“ ist eine (Selbst-)Behauptung resultierend aus der direkten oder indirekten Vertreibung aus dem ursprünglichen Heimatland. Und es impliziert die daraus folgenden Beengtheit. Einer Situation, der sich heute wohl viele MigrantInnen ausgesetzt fühlen.

Sterbak reflektiert diese beiden Sätze aber hinsichtlich ihrer Rolle als Frau und ihrer künstlerischen Autorenschaft in ihrer Ausstellung. Ihr migratorischer Hintergrund ist dabei bloß die Folie ihres Lebens. (1)

Weibliche Arbeit und sinnloses Binden von Kräften zeigt zum Beispiel die Arbeit „Cinderella 2015“. Dabei ist eine Art Rexglas halb voll mit Kichererbsen zu sehen, vor dem noch lose ein paar Erbsen herumliegen. So wie im Märchen Aschenputtel werden „die Guten und die Schlechten“ ins Töpfchen oder ins Kröpfchen gegeben. Eine monotone und sinnentleerte Arbeit, die von den bösen Stiefschwestern zur Unterdrückung „der Schönen“ ersonnen wurde. Das sisyphusartige Element dieser Arbeit unterstreicht ähnliche unterdrückte weibliche Lebenswelten.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch Sterbaks Fleischstuhl, der bereits vor einigen Jahren im MAK zu sehen war. Gemeinsam mit einer Fotografie des Fleischkleides „Vanitas. Fleischdress of an Albino Anorectic“ 1987/2001 ist er bei Silvia Steinek ausgestellt.

Weniger spektakulär aber nichts desto weniger eindringlich ist die Fotoserie „Dissolution“ (Auditorium) von 2001. Darin sind aufgereihte Stühle in einer alten Fabrikshalle zu sehen. Die Lehne und Sitzflächen sind aus Eis und an dem Rest des Stuhls befestigt. Die unterschiedlichen Stadien des Dahinschmelzens und des Zusammenklappens hat Sterbak fotografiert und damit ein sehr schönes Sinnbild der Vergänglichkeit geschaffen. Es ist auch ein Sinnbild für die Vergänglichkeit aller rhetorischer Bemühungen, wie das auch in Diskussions- und Gesprächsrunden zum Ausdruck kommt.

Neben den Arbeiten zum Zustandsbild der Frau und Künstlerin in der Gesellschaft ist im letzten Raum der Galerie eine färbige Fotoreihe mit dem Titel: „Waiting for High Water“ von 2004 zu sehen. Sterbak ließ einen ausgebildeten Betreuungshund mit drei Kameras am Kopf durch Venedig laufen. Es war beginnendes „Aqua Alta“- Hochwassser. Die Stege der Vaporetto-Stationen füllten sich langsam. Es war der Blick des Hundes, auf die langsam im Wasser versinkende Stadt, der für die Künstlerin ausschlaggebend war. Sie ließ das Video 2004 in dem Kanadischen Pavillon auf der Biennale di Venzia über die Bildschirme laufen. Hier bei Steinek sind Standbilder zu sehen.

In der Zusammenschau der Arbeiten der Jahre 1979 bis 2016 von Jana Sterbak, ist Künstlerin, Galerie und Kurator ein eindrückliches Porträt weiblicher Kunst- und Lebenswelten in einer nicht immer freundlichen Welt gelungen.

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(1) Jana Sterbak wurde 1953 in der damaligen CSSR. geboren und ging 13 jährig, anlässlich des Zusammenbruchs des Prager Frühlings 1968, gemeinsam mit ihren Eltern nach Kanada.
curated by_Michel Blancsubé - “Ich habe beschlossen, glücklich zu sein, weil es gut für die Gesundheit ist.“
09.09 - 15.10.2016

Galerie Steinek
1010 Wien, Eschenbachgasse 4
Tel: +431/512 87 59, Fax: +431/512 87 59
Email: galerie@steinek.at
http://www.galerie.steinek.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 13-18h
Sa: 11-15h

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