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Michael Kienzer - 24 von 274.669 Tagen: Gegen die Raumlogik

Manche Kunstwerke erschließen sich besser über Fotos denn im Original: Wer etwa Ai Weiweis derzeit im Belvedere-Garten präsentierte (schon leicht grenzwertige) Installation aus Schwimmwesten von Flüchtlingen erfassen möchte, der tut sich vor Ort schwer – und greift besser auf Aufnahmen aus dem Helikopter zurück.

Genau gegenteilig verhält es sich bei Michael Kienzers aktueller Arbeit mit dem schönen Titel „24 von 274.669 Tagen“ in der Kremser Minoritenkirche. Man muss sich schon tatsächlich dorthin begeben, um von der Installation zunächst einmal zurückgestoßen, dann in sie hinein- und mit ihr mitgezogen werden und um somit physisch eine Ahnung davon zu bekommen, worum es hier geht. Das grau gestrichene Gerüst, das der Künstler aus Alurohren und Holzplatten gebaut hat, kann sowohl gegenständlich als auch abstrakt gelesen werden: Einerseits könnte es sich um vier monumentale Schneeschieber handeln, von denen drei auf einem riesenhaften Sockel abgelegt wurden. Andererseits könnte es eine ungegenständliche Komposition aus Flächen und Linien sein. Grundsätzliche Fragen der Bildhauerei werden hier abgehandelt, wobei Kienzers spannungsvolle Arbeit zwischen Dynamik und Statik die „Logik des Raums“, wie er es nennt, konterkariert. So durchbricht sie die fixe Ordnung der drei Kirchenschiffe, die üblicherweise streng getrennt sind, verweigert den Blick in den Chorraum und zwingt das Publikum, hin und her zu gehen, Umwege zu tätigen – ohne es jedoch, wie Kienzer selbst beobachtet, direkt zu involvieren, partizipieren zu lassen. Eher betrachtet man einen Dialog zwischen Raum und Kunst. Während die Architektur nach oben, in die Vertikale strebt, setzt ihr Kienzer massive horizontale Riegel entgegen: im weiteren Sinn auch ein politisches Statement, das sich institutionellen Ordnungen im Allgemeinen widersetzt.

Michael Kienzer - 24 von 274.669 Tagen
27.08 - 18.09.2016

Klangraum Krems Minoritenkirche
3500 Krems-Stein/Donau, Minoritenplatz 4
Tel: +43 (0) 2732 90 80 30 322, Fax: +43 (0) 2732 90 80 30 31

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