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James Lee Byars - Perfect Moments. Ideentausch mit Gerhard Johann Lischka: Fragen stellen

James Lee Byars (1932–1997) ist in der Secession eine kleine, aber sehr feinsinnige Ausstellung gewidmet. Sie repräsentiert den Dialog zwischen dem amerikanischen Künstler und dem in Bern lebenden Künstlerphilosophen Gerhard Johann Lischka anhand schriftlicher und bildlicher Artefakte und erschließt auf eine eigenartig sublime Weise einen Einblick in Byars außerordentliches originäres Denken und Handeln.

James Lee Byars war, nachdem er zehn Jahre in Kyoto verbracht hatte, vom Gedankengut des Zen–Buddhismus beeinflusst und wusste in seinem Agieren östlichen und westlichen Geist symbiotisch einzufangen. Sowohl die sensuelle und symbolische Praktik des japanischen Noh–Theaters und Shinto–Rituals als auch westliche Wissenschaft, Kunst und Philosophie konkretisieren sich in seinem Werk, das Minimal Art und Concept Art miteinander verbindet und zwischen Vision und skulpturaler, mitunter monumentaler Dauerhaftigkeit oszilliert. Ihm war die Frage wichtiger als die Antwort, er bevorzugte die Abwesenheit vor der Anwesenheit und betonte emphatisch die momentane Erfahrung von Schönheit.

Gerhard Johann Lischka war mit dem Künstler seit einer ersten Begegnung auf der documenta 5, 1972 befreundet. Mit seiner damaligen subtilen, aber dennoch spektakulären Performance Calling German Names im Giebelfeld des Fridericianums war Byars zur Legende geworden.
James Lee Byars beging seine öffentlichen Auftritte stets in monochromen Anzügen in seinen favorisierten Farben gold, weiß, rot oder schwarz. Das Gesicht war durch Hut und Stirntuch weitgehend vorborgen. Die exzentrische Verhüllung sollte die Aufmerksamkeit weg von seiner Person auf die Aktion hin fokussieren, doch war damit zugleich die eigene Mystifizierung unvermeidlich.

Die Zeugnisse seiner performativen Aktionen und seine Briefe sind chiffriert und bleiben rätselhaft, auch wenn die verschlüsselten Schriften, wie in der Ausstellung in der Secession, in Transkriptionen vorliegen. „YOUR PRESENCE IS THE BEST WORK“ wäre mikroskopisch klein auf einem kreisrunden goldenen Seidenpapier mit dem Durchmesser von 1,4 cm zu lesen. Eine schwarze Einladungskarte bittet anscheinend zu „... THE PERFECT KISS PRESENTED BY JAMES LEE BAYRS ...“ (1976), eine andere in goldener Schrift auf schwarzem Papier zu „... THE PERFECT THOUGHT BY JAMES LEE BYARS ...“ (1990). Ein schwarzer Karton besagt in goldenen Zeichen „The Perfect Performance is to stand still“ (1975), ein rosa Seidenpapier beschwört „THE PERFECT EPITAPH“ (o.J.).

Die ästhetisierten Arbeiten spiegeln vor allem Byars’ Konzept das Perfekte zu verfolgen, als Unerreichbares im Erreichbaren erscheinen zu lassen. In diesem Antrieb bewegte sich Byars unermüdlich auf Reisen, verbreitete seine verklausulierten Botschaften z.B. auf gewickelten oder gerollten Seidenpapieren oder performte, um jedes Mal sogleich zu verschwinden und außer seinen Objekten vor allem tiefe Eindrücke seiner Aktionen und Begegnungen zu hinterlassen.
Das Ideal des Perfekten, nach dem Byars strebte, verschließt sich seiner Verwirklichung. Vielleicht gründen auch darin sein rastloses Vagabundieren und seine radikale Konzentration auf den Moment. Auf eine Weise sind seine Werke perfekt ohne fertig zu sein, denn sie verführen zu Fragen. Und nichts anderes als Fragen wollte Byars (wie Lischka betont) auch im Gespräch von seinem Gegenüber fragend provozieren. Byars’ Interesse an der Relevanz von Fragen ging so weit, dass er mit Hilfe des Hudson Institute in New York oder CERN, dem Kernforschungszentrum bei Genf, begann, Fragen zu sammeln; diese bündelte er dann und ließ sie z.B. als The Book of the one hundred Questions (1969) in goldener Schrift auf Seidenpapier drucken, so klein, dass man sie kaum lesen und damit auch schwerlich beantworten kann. Insofern ist es durchaus konsequent, die Ausstellung in der Secession zwar mit Transkriptionen, aber ohne jede weitere Erläuterung zu versehen und in der Aura des Mysteriösen und Mythischen zu belassen.

James Lee Byars - Perfect Moments. Ideentausch mit Gerhard Johann Lischka
22.04 - 19.06.2016

Secession
1010 Wien, Friedrichstrasse 12
Tel: +43 1 587 53 07, Fax: +43 1 587 53 07-34
Email: office@secession.at
http://www.secession.at
Öffnungszeiten: Di-Sa 10-18, So 10-16h

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