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Clegg & Guttmann - Modalities of Portraiture: Inszenierte Pose

Kurz vor Jahresschluss präsentiert Georg Kargl aufregend neue fotografische Porträts des Künstlerduos Clegg & Guttmann in seiner Galerie.

Das Gros der Aufnahmen der fünfzehn Porträtierten_ist 2015 entstanden. Martin Guttmann und Michael Clegg stellen dabei an Hand von Wiener Protagonisten der Kunstszene Fragen an die Porträtkunst.

Das polyglotte Künstlerpaar, das schon im Rahmen der Studienzeit in New York zusammenarbeitete und seit einigen Jahren einen Lehrauftrag in Wien hat, porträtiert Menschen seit den 80er Jahren. Dabei geht es um die soziale Stellung der Porträtierten und die Verwendung von sozialen Codes. Wichtig sind Clegg und Guttmann auch kunsthistorische Traditionen in die die Abgebildeten eingebettet werden.

Bereits 2012 waren in den Ausstellungsräumen der BAWAG P.S.K. Contemporary Porträts zu sehen, die starke malerische Anklänge in sich trugen. Hier bei Georg Kargl ist die Erscheinung geglättet und stärker konturiert. Die Dargestellten sind präzisiert und manchmal mit „Herrschaftsattributen“ aus ihrem Wirkungsbereich dargestellt. So blickt die Direktorin des mumok, Karola Kraus, umgeben von einer Skulptur von Cosima von Bonin aus einem Sessel in die Kamera. Auch der Direktor des MAK, Christoph Thun-Hohnstein lehnt vor einer Schautafel mit Jugendstil-Stoffmustern und wird so mit den applied arts des Wiener Fin de Siècle in Verbindung gebracht. Eine weitere Museumdirektorin, Agnes Husslein-Arco, wird sitzend vor einem Kokoschka Bild fotografiert.

Der überwältigende Eindruck dieser Arbeiten resultiert, da es sich um lebensgroße Porträts handelt, auch aus ihrer Größe. So scheint der Direktor des MAK jeden Moment aus dem Bild zu steigen.
Clegg & Guttmann nehmen Anleihen bei den flämischen Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts, bei Frans Hals und bei Tizian. Aber auch frühere Renaissanceporträts mit ihren Arrangements der Hintergründe mit Brokatstoffen oder der Blick aus dem Fenster in eine Landschaft, sind in die Darstellung der Porträtierten von Clegg & Guttmann eingeflossen.

Nicht zuletzt sei auf die Detailverliebtheit der Niederländischen Malerei verwiesen, die zum Beispiel die Glanzlichter eines Messingkrugs gut einzufangen wusste. Clegg & Guttmann zeigen hier bei Kargl eine Frau mit bodenlangem Kleid und imposanter Brosche. Die Brosche wird hier zum identitätsstiftenden Detail und Thema.

Eine weitere Arbeit, die an christliche Erlösungsdarstellungen und orientalische Heilsbringer anknüpft ist die Abbildung einer Frau im Sari von 2015. Der weiße, bunt umrandete Sari und die schlanke Figur der Frau rufen Christusdarstellungen aus dem 19. Jahrhundert in Erinnerung.

Im Gespräch erläutert Martin Guttmann, dass ihre Porträts Befragungen an die Historie, an soziale Codes aber auch an die Darstellbarkeit heutiger Macht – siehe Bilder von CEOs in Broschüren großer Unternehmen – sind.

Hier bei Kargl ist besonders letzteres_ein Thema. Nämlich wie gelingt es, Kunstexperten – Sammler, Direktoren, Galeristen – wirkungsmächtig dazustellen? Das Duo portraitiert in seiner Arbeit quasi kulturelle Protagonisten wie kapitalistische Wirtschaftbosse und ist damit höchst erfolgreich.

Die Ausstellung ist ein Muss für alle Liebhaber zeitgenössischer Kunst. Und sie kann für das Betriebssystem Kunst und seine Protagonisten Interesse wecken.

Clegg & Guttmann - Modalities of Portraiture
11.12.2015 - 05.03.2016

Georg Kargl Fine Arts
1040 Wien, Schleifmühlgasse 5
Tel: +43 1 585 41 99, Fax: +43 1 /585 41 99-9
Email: office@georgkargl.com
http://www.georgkargl.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-19
Sa 11-16h sowie nach Vereinbarung

Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
crisfor | 15.12.2015 01:15 | antworten
Warum gerade eine Ausstellung, die "Protagonisten des Betriebssystems Kunst" in Manier der Mächtigen des 16., 17. Jahrhunderts zeigt, ein Muss für alle Liebhaber zeitgenössischer Kunst sein sollte, verstehe ich nicht wirklich. Warum gerade bei dieser Ausstellung eine solche Empfehlung?
Zumal...
Rainer Olbert | 16.12.2015 12:43 | antworten
zumal auch die Fotos nichts können. Die Porträtierten müssen ganz schön dumm dreinstarren. Solch ein Konzept ist aber heute schon viel zu abgelutscht und durchsichtig. Na ja vermutlich kaufen ja diverse Ankaufsjurien dann die Fotos. Darum wirds in erster Linie wohl gehen.

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