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Nick Oberthaler: The Old, The New, The Different

Seit seiner letzten Personale 2012 in der Wiener Galerie Emanuel Layr hatte der österreichische Künstler Nick Oberthaler, der vor allem im Medium Zeichnung brillierte, etliche Solo Shows in Rom, Amsterdam, Paris und nahm an mehreren Gruppenausstellungen teil. Seine aktuelle Ausstellung, in der er größere Bildformate beherrscht - sticht durch ihr einprägsames und präzises Display hervor. Der Künstler, bekannt durch seine reduziert-abstrakten Setzungen, wendet diese nicht nur für die Gestaltung seiner bildnerischen Werke an, sondern greift direkt in den Ausstellungsraum ein, womit die herkömmlichen Hierarchien (z.B. zwischen Raum und Wand) entkräftet werden. Nick Oberthaler ließ sich zu einer Intervention in das Beleuchtungssystem der Galerie hinreißen und ersetzte die Hälfte der weißen Neonröhren durch rosafarbene. Zwar sind solche konzipierten Kunsteingriffe nichts Unbekanntes, im Bezug auf kontextkritische Praktiken lässt jedoch sein Eingreifen die Institution von außen im befremdlichen Rotlicht erscheinen und das funktionelle Mobiliar drängt sich auf einmal autonom zu künstlerischer Sinnerzeugung auf. Draußen Rot, im Eingangsbereich Rosa und auf der oberen Galerieetage Weiß – in diesem abwechslungsreichen Spektakel aus Licht und stimmungsvoller Verdunkelung tauchen die sieben vertikalen Tafeln auf, deren Hängungsrhythmus von immer 2 bis 3 Bildern wie eine Raumteilung funktioniert. Der abnorm lange Ausstellungstitel: DISTINCT FEATURES OF FAST OSCILLATIONS IN PHASIC AND TONIC RAPID EYE MOVEMENT, der einen Bezug zur neurologischen Wissenschaft herstellt, beschreibt „Die Veränderung der Sehwahrnehmung in unterschiedlichen Sinnesstadien“, am Tag und im Schlaf. Und so undifferenziert wirken die teils bemalten und ein anderes Mal teils bedruckten oder polierten Bildtafeln, deren Produktionstechniken auf Anhieb kaum zu unterscheiden sind. Das Aluminium als Grundbasis einiger gezeigter Bilder verleiht ihnen eine profunde Flachheit und verzerrte Lichtreflexion. Obwohl die künstlerische Produktion Oberthalers der geometrischen Abstraktion zuzuordnen wäre, referiert er überraschend auf keine typischen Vertreter dieser Kunstrichtung. Auf der zugrundeliegenden und versteckten Rasterunterlage, die ihm eine zeitgemäß invariable Orientierung für die Entfaltung seiner individuellen Sprache bietet, formuliert und erweitert der Künstler selektiv und variierend in Erinnerung an die Radikalität von Künstlern wie Sigmar Polke, Pistoletto, Flavin, Andy Warhol oder Daniel Buren seine Narration. Zu seinen Favoriten zählt jedoch der holländische Konzept- und Kult-Maler René Daniëls, berühmt durch seinen spielerischen und assoziativen Umgang mit der Kunst und dem Kunstbetrieb. Daniëls’ „bow ties“ – die sowohl eine Fliege (Mascherl) als auch einen Raum bzw. eine Salonhängung parodieren – transferiert Oberthaler in seinen titellosen Werken als Life-Style Signs zum eigenen Markenzeichen. Es sieht so aus als würden die sich immer wiederholenden „bow ties“ jetzige Zustände und Befindlichkeiten der kapitalistisch-neoliberalen Gegenwart neu aufladen. -- Der Titel dieser Rezension zitiert den Titel der gleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle Bern (2012), die zum ersten Mal die Malerei der postmedialen Ära präsentierte. René Daniëls nahm ebenfalls an dieser Show teil.
Nick Oberthaler
13.11.2015 - 09.01.2016

Galerie Emanuel Layr
1010 Wien, Seilerstätte 2/26
Tel: +43 1 945 1791, Fax: +431 1 5238422
Email: gallery@emanuellayr.com
http://www.emanuellayr.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr: 12-18h
Sa: 11-15h


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