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ArtBo - International Artfair of Bogotá: Lokale Internationalität

Noch so eine Messe in Lateinamerika. Über den Atlantik hinweg mag sich der Eindruck aufdrängen, mit der ArtBo in Bogota schöbe sich jetzt eine weitere dieser Emerging Market-Messen in den internationalen Kalender. Es soll sogar vier Satellitenmessen geben. Während Zona Maco in Mexiko oder Sp-Arte in Sao Paolo sich massiv um die Galeriekonzerne bemühen, betont ArtBo ihren lokalen Bezug, wie Direktorin Maria Paz Gaviria erklärt. Wenn sie von Internationalisierung spricht, meint sie die Anbindung der lokalen Szene an die Welt: "Was ich nicht meine mit Internationalisierung ist, dass die Messe aussieht wie irgendeine andere internationale Messe. Man muss sich einfach sehr unterscheiden in den Inhalten, dem Kontext, den man anbietet und den kuratierten Abteilungen. Um Blue Chips zu sehen, kann man auch nach Miami fahren." Von denen gibt es tatsächlich keine auf der Messe. Mit 84 Galerien aus 33 Städten (nicht Ländern!) ist die Messe recht überschaubar, das ausländische Publikum ebenfalls. Rund 500 internationale Besucher haben sich angekündigt. Die sind allerdings nicht ohne. Das Bilbao Guggenheim etwa kutschiert seine Gruppe in einem großen Reisebus zur Messe und durch die Stadt. Die Szene boomt. In San Felipe hat sich ein Cluster gebildet, dem Wynwood District in Miami vor zehn Jahren nicht unähnlich, wo sich rund um einige private Showrooms innerhalb kurzer Zeit ein Problemviertel zum Kunstquartier gentrifiziert hat. Vergleichbares passiert gerade in Bogota. Das Tempo scheint hier noch höher als in Miami. Im Artist Space Flora amtiert bereits ein Tate-Kurator. Für eine Szene, die vor fünf Jahren praktisch inexeistent war, ist das beachtlich. Der Anteil von ArtBo an diesem Trend kann kaum zu hoch eingeschätzt werden. Die Regierung hat die Messe offensichtlich als Entwicklungsinstrument entdeckt. ArtBo dürfte die einzige Kunstmesse von Format sein, die von einer Handelskammer organisiert wird. Enstprechend ist der betriebene Aufwand. Rund 40 Journalisten wurden eingeflogen. Bogota versucht, sich als Zentrum der Creative Industries in Südamerika zu positionieren. Die Neubesetzung des Direktionspostens 2012 erweist sich dabei als Glücksfall. Paz Gaviria ist die Tochter eines liberalen Ex-Präsidenten und Verlobte des Vorsitzenden der konservativen Partei. Zur Rolle der Messe bei der Entwicklung einer Kunstszene erklärt sie: "Kolumbien hat weniger Sammelgeschichte als Argentinien oder Brasilien. ArtBo war sehr wichtig seit seiner Gründung 2005, hier überhaupt das Sammeln zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Das soll nicht heißen, dass sich die Sammlungen entlang der Messeinhalte bewegen. Aber sicher haben viele Sammler von der Internationalität der Messe profitiert. Und es gibt tatsächlich viel Unterstützung der hiesigen Galerien durch die einheimischen Sammler." Carlos Garcia Montero Protzel, ursprünglich aus Peru, betreibt seit acht Jahren die Y Gallery in New York und nimmt seit sieben Jahren an der ArtBo teil. Er bestätigt die Aussagen der Direktorin. Sein Programm sei stark auf Konzeptkunst ausgerichtet und die Sammler hier seien auf diesem Gebiet sehr kennnisreich. Seine Galerie sei mit der Messe und der hiesigen Szene gewachsen. Michael Sturm ist neben Barabara Thumm und Gregor Podnar (beide Berlin) einer von den drei deutschen Ausstellern. Der Stuttgarter hat sich vor zwei Jahren erstmals von einer Teilnahme überzeigen lassen und ist seither treu: "Einige Kollegen hatten mir ans Herz gelegt, nach Kolumbien zu gehen, weil das ein boomender Markt ist. Hier ist viel Geld und Bildung. Und Kolumbien hat selbst eine sehr lebendige Kunstszene, nicht nur mit jungen Künstlern. Wenn man auf die südamerikanischen Messen geht, hat man noch das Gefühl, dass man Kontakte zu Sammlern aufbauen kann, weil die Leute im nächsten Jahr wiederkommen." Die Verkäufe könnten dieses Jahr allerdings etwas bescheidener ausfallen. Da die allermeisten Besucher Einheimische sind, dürfte es sich deutlich bemerkbar machen, dass der kolumbianische Peso seit der letzten Ausgabe gegenüber dem US-Dollar um über ein Drittel eingebrochen ist. Da reizt es natürlich besonders, sich internationaler auszurichten. Die zeitgenössiche Kunstproduktion kann da leider nicht ganz Schritt halten. Augenfällig wird das an der Sektion "Referentes", in der Sammlungen und Galerien beeindruckende Positionen der 60er bis 80er Jahre zeigen, in denen die heute erstaunlich frisch wirkende Konzeptkunst in Kolumbien entstanden ist. Die aktuelle Kunst wirkt stellenweise wie ein schwacher Nachhall dieser Tradition. Es ist der lokalen Kunst sehr zu wünschen, dass sie nicht zur nächsten Sau wird, die durch das Kunstzirkusdorf gejagt wird.
ArtBo - International Artfair of Bogotá
01 - 04.10.2015

Corferias
Bogotá, Carrera 37 #24-67
http://english.artbo.co


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