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Robert Adrian 1935 - 2015

Er galt als der Pionier der frühen Telekommunikationskunst. In Toronto geboren kam er 1972 nach Wien und begann sich ab dem Ende der 70er Jahre mit dem Einsatz der neuen Telekommunikationstechnologien in der Kunst auseinander zu setzen. Wie die Redaktion des Ö1 Kunstradio mitteilte, ist Robert Adrian am Montag, den 7. September verstorben.

Als Nachruf hier ein Blogbeitrag zu Robert Adrians 80. Geburtstag von Rainer Metzger vom 20. Februar 2015.

Pioniere leisten meist übermenschliche Arbeit. Sie schlagen Schneisen in die Wildnis und spannen die Pontons, doch wer nennt noch ihre Namen, wenn man das Terrain längst per Stahlbrücke passiert? Robert Adrian ist ein solcher Pionier. Nicht, dass er weltberühmt wäre, doch immerhin weiß man, wer er ist. Robert Adrian ist ein Künstlerkünstler.


Robert Adrian. Quelle: http://ggcf.tistory.com/154

Adrians Pionierarbeit vollzog sich auf dem weltweiten Feld der Telekommunikation. ARTEX, Anfang der Achtziger ins Werk gesetzt, war eine Frühform von Internet, eine auf Mailbox-Basis betriebene Möglichkeit des Austauschs jener Informationen und Meinungen, die die gerade dreißig Teilnehmer einander zukommen ließen. Die ARTEX-Mitglieder waren allesamt Künstler: Das Faible fürs Innovative gehört zum Metier. Die dort gesammelten Erfahrungen ließ Robert Adrian in das Projekt "Die Welt in 24 Stunden" einfließen, das 1982 auf der Linzer Ars Electronica vorgeführt wurde: "Telematische Weltkarte" nannte man in aller Selbstverzauberung das Ergebnis, das für einen glücklichen Tag Künstler in 16 Städten auf drei Kontinenten in Realzeit zueinander brachte. Es war einmal.

Noch so ein Stück Reminiszenz: "Dictionnaire par images", entstanden 1979, eine in Obsession und zugleich Ernsthaftigkeit, in Detailfreude und schierer Menge an Gebotenem überquellende Fleißarbeit, ein Paradebeispiel für Conceptual Art, für das allein dem Künstler die Unsterblichkeit sicher sein sollte. Einer jener Übersetzungshilfen, die zum fremdsprachigen Wort noch ein Bild liefern, entnahm Adrian nicht weniger als 420 Piktogramme und machte sie zur Vorlage für ebensoviele Mini-Objekte, die er größengetreu aus Fimo, einer Art brennofentauglichem Plastilin, nachbastelte. So liegen sie in der Vitrine, als wären sie prähistorisch.

Das ist minutiös und seriös und sehr hingebungsvoll; das tut so, als folgte es einer strengen, weil lexikalischen Logik, und ist doch beckmesserisch in seiner Vorführung sämtlicher Möglichkeiten; das gibt sich welthaltig und enzyklopädisch und ist zugleich völlig eigen und eigenartig in der Unfähigkeit, ein Ende zu finden. In seiner strengen Reihung hat es etwas Erbsenzählerisches und bringt damit die Positionen der späten Sechziger Jahre, verkörpert etwa in den "Incomplete Open Cubes" von Sol Lewitt oder den Investigationen von Joseph Kosuth, auf den abschließenden Punkt.

Als Konzeptualist der frühen Stunde hat Robert Adrian sich seinen sozialkritischen Impuls bewahrt. Engagement heißt heute Vernetzung. Längst steht man nicht mehr links. Man setzt Links. Als stete Pionierarbeit.

Am 1. November ist eine "In memoriam"-Sendung im "Kunstradio" geplant (23.03 Uhr).

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