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Anna Meyer - Sein oder online: O2 or to be?

Anna Meyers Malerei hat in den letzten Jahren an Strahlkraft gewonnen, sie leuchtet gleichsam von innen heraus und brennt dabei förmlich unter den sie auf sie gerichteten Augenlidern. Grund für diese „Brennzligkeit“ ist aber nicht allein die expressiv intensivierte, zuweilen auch popig-grelle Farbstärke der meist großformatigen Bilder, sondern vor allem auch ihre inhaltliche Brisanz. In ihrer Einzelausstellung „Sein oder online“, natürlich frei nach William Shakespeare getitelt, in der Berliner Galerie Krobath geht es Anna Meyer nämlich um die möglichen Realitätsverluste, die eine zunehmende Virtualisierung unseres Lebens mit sich bringt. Social Media, Google und Handy heißen da selbstverständlich u. a. die Stichworte, die die Künstlerin allerdings selten 1:1 ins Bild setzt – Gott sei Dank, denn statt plumpen Realismus steht bei Anna Meyer ein quasi Hyperrealismus zur Disposition, der zudem oftmals durch intelligente Textpassagen kritisch aufgeladen ist. Auf dem Gemälde „Drohnenland“, 2014, etwa erkennt man erst auf dem zweiten Blick die spinnenförmige Drohne, die da über der Donau ihren mehr oder weniger klammheimlichen Flug durch die Nacht absolviert. Sofort ins Auge springen dagegen das verführerisch blinkende Badeschiff in der Mitte des Bildes, das hell erleuchtete traditionsreiche Urania-Gebäude inklusive Sternwarte rechterhand sowie ein in Wien stadtbekanntes psychedelisch-bunt angestrahltes Versicherungsgebäude am linken Bildrand. Historische wie postmoderne Realität erscheinen hier wie gemacht für eine photogene Überwachung, die so offenbar nicht mehr als Problem gesehen wird, sondern als wohlfeile Chance zur preisgünstigen Selbstvermarktung in Echtzeit.

Ebenfalls gezeigt werden in der Ausstellung kleinere dreidimensionale Architektur-Modelle, die zum Teil auch in den Gemälden zu sehen sind. Als „Nippesversion der Welt“ (Günther Anders) erzählen auch diese Arbeiten überzeugend von der Auflösung einer einst als materiell gedachten Welt.

Anna Meyer - Sein oder online
08.02 - 22.04.2015

Galerie Krobath
10117 Berlin, Marienstrasse 10
Email: office@galeriekrobath.at
http://www.galeriekrobath.at
Öffnungszeiten: Mi-Fr 11-18, Sa 11-18 h

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