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Philadelphia Connection - »an ocean in between the waves« young art positions des Penn MFA program (2012-14): Messlatte Kunstuniversität

Dreizehn AbsolventInnen einer Kunstuniversität in Philadelphia realisieren unter der Leitung des kanadischen Künstlers Ken Lum und nach der sechsmonatigen Zusammenarbeit mit dem Kurator Roland Schöny, aus Wien in den Räumlichkeiten am Franz Josefs Kai 3 im ersten Wiener Bezirk eine Ausstellung. Die Ausbildung an den Interdisciplinary Fine Art Departments der PENN University ist vielseitig und eine intensive, permanent fordernde Auseinandersetzung mit den Studierenden aus unterschiedlichsten Nationen. Der lokalen wie disziplinären Grenzüberschreitung wird ein hoher Stellenwert eingeräumt, zur Erweiterung und Vertiefung der Perspektiven der individuellen künstlerischen Strategien. Dem entsprechend zeichnet die verschiedenen Positionen in der Ausstellung eine mediale wie inhaltliche Diversität und beeindruckende Eigenständigkeit aus, ohne den Gesamteindruck einer Gruppenausstellung zu beeinträchtigen. Betritt man den Ausstellungsraum über den Eingang in der Wiesingerstraße, steht man einem konzeptuellen Statement zur selbstreflexiven Moderne gegenüber. Sam Mapp hängt fünf quadratische uniforme Gemälde in einer strikten Ordnung um einen Anzug auf einem Kleiderbügel, dessen Stoff er mit der einheitlichen Struktur und Farbgebung der All–Over Malereien referiert. Zum Diskurs stehen Stofflichkeit und Inhaltlichkeit. Vis à vis verdeutlicht Theo Mullen die Prozessualität des Ausstellungsmachens an sich. Seine Objekte, die das Wesen und die Begrifflichkeit einer Skulptur hinterfragen, strukturieren den Raum, sind selbst Artefakte, die deutlich an die Entstehung ihrer artifiziellen Gestalt erinnern. Sie zeigen die Spuren ihrer Bearbeitung wie jene, die sie während der Aufstellungsvorgangs am Boden hinterlassen haben. Unter dem Glasdach entfaltet Laura Bernstein ihre Performance um die Thematik der Geste in verschiedenster Gestalt. In ihrer markanten Choreographie stellen professionelle TänzerInnen das Verweisende und Stellvertretende von Körperhaltung und Bewegung dar, Bernstein zeigt diese in einem stummen Video, was die Körpersprache unterstreicht. Das Gebilde aus Pappmaché gleicht einer Performance von Abwesenden, deren Helme an einem seltsamen Gestänge hängen. Die Innenseite der Helme ist bezeichnet, es sind sich überlagernde Erzählungen, wie nicht verfolgbare Gedanken– oder Traumsegmente. Auf einem anderen Video zeigt sie sich selbst als Performerin im urbanen Raum Wiens. Sie mimte eine Fallschirmspringerin, die mit Fallschirm durch die Innenstadt streifend den Grund für ihre Landung in der Stadt sucht - und zeigt die verwirrten Reaktionen der Passanten, die dadurch zu Partizipierenden der Performance wurden. Narrationen über den städtischen Raum sind auch das Thema von Dan O’Neill. Wandzeichnung und Video sind in mehreren Ebenen übereinander geblendet. Sie zeigen alltägliche Szenen, sie scheinen auf, begegnen sich, fragmentieren sich in der Überschneidung und verblassen wieder. Es ist eine affirmative Schilderung des Zusammenlebens und Zusammentreffens von Individuen im kollektiven Ganzen. Eindrucksvoll bearbeitet Paz Ortúzur das Phänomen der Erinnerung. Fotografien von grauen Schraffuren reihen sich repetitiv an– und übereinander. Digitale Ziffern geben den Zeitpunkt der Erinnerung an, die sich von den umgebenden kaum unterscheidet. Die Präsentation der Fotos mit einfachen kleinen Stahlnägeln ist ästhetisch und suggestiv, sie lässt die einzelnen Bilder sich nach vorne wölben, die Erinnerung scheint einen Körper hinter der Oberfläche zu haben, der nicht greifbar ist. Im Raum gegen den Franz-Josefs-Kai posiert ein ziemlich großer Spielhase. Er ist über und über mit Plastikedelsteinen und ähnlichem Kitsch besetzt. Er ist Anziehungspunkt für Passanten, denen sich dann das mulimediale Environment der Künstlerin Claire Bidwell erschließt, das einem opulenten Mädchenklischee zu entspringen scheint. Hinter der Überfülle der rosa und lila Ausstattung, den doppelbödigen Zeichnungen von „süßen“ Mädchen an den Wänden oder dem niedlichen Video am Bildschirm des Indigo farbigen Computers offenbart sich eine frappierende Realität, die in ihrer tragischen Komik grotesk und grausam ist. Die Präsentation der jungen KünstlerInnen ist gelungen, die einzelnen Positionen sind überzeugend, die Zusammenschau verweist auf ein beeindruckendes Potenzial, das höchst professionell agiert. Die Voraussetzungen und die Zusammenarbeit der Beteiligten scheinen optimal zu sein, an dem Resultat müssen sich nun die ansässigen Kunstuniversitäten messen.
Philadelphia Connection - »an ocean in between the waves« young art positions des Penn MFA program (2012-14)
28.05 - 25.06.2014

Franz Josefs Kai 3
1010 Wien,
Email: office@franzjosefskai3.com
http://www.franzjosefskai3.com


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