Kunst geliehen oder essbar

Stanislaus Medan, 25.02.13

In Öl auf Leinwand, vorwiegend abstrakt mit figürlichen Details scheinen die Malereien Adrian Buschmanns dem vergangenen Jahrhundert anzugehören. Erst bei genauerer Betrachtung ist es möglich, hinter den Bildern eine Haltung zu erkennen, die in ihrer Unbeschränktheit, ihrem unbeschwerten Blick zeitgemäß erscheint. Zum Einen äußert sich das im Witz, denn viele der Bilder rufen mit ihren Titeln wie „Die Transformation des IT- Girls zu einem dummen Hund“ oder „Selber Affe“ unweigerlich ein Schmunzeln hervor. Zum anderen liegt jeder Arbeit eine Ernsthaftigkeit inne, die sich anhand eines Repertoires kunsthistorisch geprägter Stilmittel offenbart, von denen in jedem Bild ein anderes zum Einsatz kommt. So könnte man glauben, das jedes Bild einem anderen Stil gewidmet ist, während sich ein roter Faden durch die Kindlichkeit zieht, in welcher bestimmte Details herausgearbeitet sind, die meist im Mittelpunkt einer Arbeit stehen. Aus diesem Blickwinkel ist das eine Neuaufnahme der Art Brut mit Einflüssen des Altmeisters Paul Klee, wäre da nicht die Mischung verschiedener Stile und schwebte da nicht bei allem immer eine unleugbare Ironie mit, die schnell an Martin Kippenberger erinnern lässt. Auf der Suche nach Referenzen, nach Ähnlichem, Vergleichbarem wird man schnell fündig, doch fällt das nicht ins Gewicht, denn der Schwerpunkt liegt in einer Haltung, die sich dem analytischen, hinterfragenden Zugang verwehrt, und vielmehr in einer Tradition der Gelassenheit steht, sich herausnehmen zu dürfen, was gerade zum Erreichen des Glücks notwendig ist.

Schließlich gibt es einen zweiten Teil der Ausstellung, der in den käuflich erwerbbaren und essbaren Zeichnungen besteht, die nicht präsentiert werden, sondern einem Katalog beigefügt sind, der vor Ort zum Verkauf aufliegt. Dieser zweite, sozusagen interaktivere Teil der Ausstellung gewährt einen erweiterten Einblick in das Oeuvre Adrian Buschmanns. Spannend ist hier auch der ökonomische Umgang mit dem Werk, denn die an den Wänden präsentierten Bilder sind allesamt Leihgaben und dadurch nicht erwerbbar, wärend der käufliche Teil nur durch eigenes Hand anlegen eingesehen werden kann. Eine durch ihre diskreten Eigenheiten gelungene Ausstellung.

Adrian Buschmann, geboren 1976 in Kattowitz, hat an der Universität der Künste Berlin studiert und war Assistent der Klasse für Malerei bei Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er lebt und arbeitet in Berlin.


Tipps

 

Hinter Haus des Meeres
1060 Wien, Damböckgasse 8
email: info@hhdm.eu
http://www.hhdm.eu/
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung




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Hinter Haus des Meeres
Adrian Buschmann - Courtesy of

17.02.2013 bis 09.03.2013

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