Werbung
,

Zeit(lose) Zeichen - Gegenwartskunst in Referenz zu Otto Neurath: Otto an der Ampel

Vom vor 130 Jahren geborenen Otto Neurath geht in den letzten Jahren für Künstler und Wissenschaftler eine dauerhafte Faszination aus. Publikationen und Ausstellungen haben sich mit verschiedenen Aspekten Neurath'scher Bildstatistik befasst, von der Piktogrammkunst-Ausstellung "Die Einsamkeit der Zeichen" im Kunstmuseum Stuttgart bis zur Neurath-Retrospektive "Gypsy Urbanism" im Kunstblättersaal des MAK. Dem Thema zeitgenössischer Kunst unter dem Aspekt der Zeichen widmet sich nun auch eine von Maria Christine Holter und Barbara Höller kuratierte Ausstellung im Künstlerhaus.

Die Erwartung fassbarer Strukturen, eben jeder rationalen, verknappten Bildlichkeit, die Neuraths Isotypen kennzeichnet, wird schon beim Betreten der Ausstellung unterlaufen: Von rechts nervt monotones Piepsen – wendet man sich stattdessen nach links, eine aufgeregt schreiende Frauenstimme.

Die Ausstellung, die neben zeitgenössischer Kunst auch Grafiken von Neurath/Arntz präsentiert, nähert sich ihrem vielschichtigen Thema mittels einer Einteilung in sieben Kapitel. Dabei geht es beispielsweise bei "Sprach Rohr" um sozialpolitische Anliegen und bei "Welt Macht" um Bezüge von Konsum, Kapital und Gewalt. Was durchaus dem humanistischen Ansatz Neuraths entspricht – die künstlerischen Arbeiten erweisen sich zum Teil allerdings als eher eindimensional. Manches bleibt auch, vor allem im Kapitel "Zahlen Feld", in seiner Intention unverständlich – etwa die grafische Darstellung der Farben des Hemdes des Künstlers, die sich in einem Film-Loop synchron mit dem erwähnten Piepston aufbaut, oder eine diagrammatische Darstellung der Nationalratswahl-Ergebnisse des Jahres 1971.

Schlüssiger ist das Kapitel "Stadt Gebiet" mit Bezügen zu Architektur und Urbanismus. Als Themen lassen sich kapitelübergreifend die Simplifizierung und Ästhetisierung von komplexen Sachverhalten durch Zeichen sowie das Spielen mit deren Lesbarkeit, Reduktion und Verfremdung ausmachen. Charmant sind z. B. Christian Rupps Börsenkurse abbildende Achterbahnfahrt-Animation sowie Michael Bielickýs vermeintlich steuerbares wandfüllendes Katastrophenspiel und sein Prager "Ampelhacking" mit manipulierten Ampelmännchen. Wie Neurath das wohl gefunden hätte?
Zeit(lose) Zeichen - Gegenwartskunst in Referenz zu Otto Neurath
13.12.2012 - 17.02.2013

Künstlerhaus Wien
1010 Wien, Karlsplatz 5
Tel: +43 1 587 96 63, Fax:
Email: office@k-haus.at
http://www.k-haus.at
Öffnungszeiten: täglich 10-18 h

Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2018 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige