Das gelobte Land

Susanne Rohringer, 16.05.12

Sharon Ya`ari, in Tel Aviv geborener, in Israel ausgebildeter und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneter Künstler der mittleren Generation, thematisiert in seinen großteils in schwarz–weiß gehaltenen Fotografien sein Geburtsland. Er setzt dabei einen dokumentarischen Blick ein, der auf site-spezifische Besonderheiten achtet und damit den in Israel immer so wichtigen Zusammenhang zwischen Geografie und nationaler Identität thematisiert.

Wir sehen unter dem Titel „Hedera“ eine große Stechpalme im Zentrum der Fotografie. Ihr Schaft ist beschnitten. Eine weitere Abbildung zeigt eine abgeschrägte Felsformation, in poetischer Kargheit. Sie könnte als Vorlage für eine kartografische Landvermessung des Mandatsgebietes Palästinas in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden sein.

Ya`ari spielt mit den jahrhundertealten Mythen dieses Landes. Es ist einerseits das biblische Land der Vorväter und das sehnsüchtig erwartete (Heimat)Land Eretz Israel. Und natürlich sind auch in Ya`ari`s Arbeiten die Nöte spürbar, die aus der Verdrängung eines Volkes aus dem öffentlichen Bewusstsein resultieren. Zwei Arbeiten thematisieren dies am Rande und sind im Untergeschoß der Galerie Martin Janda zu sehen. Es sind zwei Aufnahmen von Beer Sheva, einem Ort inmitten der Negev Wüste. In der einen Fotografie sehen wir eine parkähnliche Landschaft in deren Mitte ein Turm steht. Es handelt sich dabei um eine Sirene die auch bei Gefahren warnt. Das zweite Bild zeigt einen etwas heruntergekommenen Spielplatz, wo Spielfiguren mit Lack oder Beton übergossen sind – als Beispiel einer etwas vernachlässigten Siedlung.

Ya`ari bedient sich in seinen Arbeiten teilweise des Blicks eines Fotoreporters, der noch aus den 30er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu stammen scheint. Und dennoch ist es bei Ya`ari nicht der „entscheidende Moment“ wie bei Cartier-Bresson. Vielmehr belichtet er seine Objekte extrem lange. So auch ein Stück mit Gräsern und Gestrüpp, wahrscheinlich ein Detail eines Strandes, das wie ein romantisches Gemälde in hell-dunkel changiert oder an die Tintengewölke einer Tacita Dean erinnert.

Ya`ari hat noch mehrere fotografische Beispiele seines Landes Israel nach Wien mitgebracht. Seine Arbeiten vermitteln auch ein Lebensgefühl das wir aus den Romanen von Amos Oz kennen. Folgt man den Pfaden der beiden Künstler so eröffnen sich für den Betrachter und den Leser sehr schöne Zugänge zu einem alten europäischen Mythos und einem nahen östlichen Land.


Tipps

 

Galerie Martin Janda
1010 Wien, Eschenbachgasse 11
Tel: +43 1 585 73 71
Fax: +43 1 585 73 72
email: galerie@martinjanda.at
http://www.martinjanda.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 11-16 h




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Galerie Martin Janda
Sharon Ya'ari: Expectancy

11.05.2012 bis 16.06.2012

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