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Bildergeschichten - Mediengeschichte

Milena Dimitrova, 27.05.12

Die erste Arbeit mit der man in David Claerbouts Ausstellung in der Wiener Secession konfrontiert wird, ist Bordeaux Piece, 2004. Nicht zufällig, denn diese ist gut geeignet, in sein Werk einzuführen.

Die Handlung ist an Godards Le Mepris (1966) angelehnt, der den narrativen (Kino-)Film, seine Produktionsbedingungen und Vermarktung reflektiert: Während der Arbeit an einer Filmproduktion entwickelt sich eine Dreiecks-Liebesbeziehung in die die wichtigsten Figuren eines klassischen „traditionellen, narrativen“ Films verwickelt sind – Hauptdarstellerin, Filmproduzent und Drehbuchautor.

Claerbouts Reflexionen zum Medium Film werden dennoch hauptsächlich von medienimmanenten Mitteln getragen. Die Arbeit wird scheinbar im Loop gezeigt doch dauert Bordeaux Piece 13 Stunden und zeigt die selbe Geschichte jeweils zu einer anderen Tageszeit. Jede der Szenen wurde zigmal gedreht, jeweils zu unterschiedlichen Zeiten, die Szenen dann zu einem sich wiederholenden Narrativ aneinander gestückelt. Die eigentlichen Themen sind Licht, Dunkelheit und die Zeit als konstitutive Momente für das Medium Film (sowie die Fotografie).

Der Anspruch von Claerbouts Werk ist eine Arbeit an der Definition, Verhandlung oder auch Neudefinition des Mediums. Nicht zufällig nennt er den Ausstellungsraum als eines der Mittel, oder als Rahmen, die hier Neuerungen in besonderem Maße erlauben.
Die Vorgehensweise in Bordeaux Piece erinnert an jene von Monet, der seine umfangreichen Bilderserien zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen malte. Auch dies war eine obsessive Arbeit an der (Neu)definiton des Mediums Malerei, die zu dieser Zeit, auch angesichts der Entwicklung der Fotografie, in eine Identitätskrise geraten war.

The Algiers' Sections of A Happy Moment, 2008 zeigt eine einzige Szene, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommen wurde. Diese Simultanaufnahmen laufen nacheinander ab und ziehen den Moment in die Länge.
Den selben Aufbau hat auch die Arbeit The Quiet Shore (2011), die großflächig an die Rückwand des Hauptraums der Secession projiziert wird: Es sind Strandbilder deren silbriges Schwarz-Weiss mit dem Silbergrau des spiegelnden Bodenbelags im Ausstellungsraum korrespondiert – übrigens auch ein Verweis auf die Farbe von Fotopapier während der Entwicklungszeit.

Das anziehende an Claerbouts Werken ist, dass sie trotz des starken Gewichts auf die Verhandlung der Möglichkeiten seiner Medien, auch als Arbeiten funktionieren, die zumindest eine Stimmung transportieren, zum Entschlüsseln des Gesehenen einladen, vielleicht sogar Geschichten erzählen.

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Hinweis:
Am 13. Juni findet ab 08:20 Uhr ein Screening des Bordeaux Piece in voller Länge statt


Tipps

 

Secession
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Tel: +43 1 587 53 07
Fax: +43 1 587 53 07-34
http://www.secession.at
Öffnungszeiten: Di-Sa 10-18, So 10-16h




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David Claerbout - Diese Sonne Strahlt Immer

03.05.2012 bis 17.06.2012

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