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Podiumsdiskussion: Autistische Architektur und fortgeschrittene urbane Marginalität

Es diskutieren: Gabu Heindl (Architektin, GABU Heindl Architektur), Martin Guttmann (Künstler), Michael Obrist (Architekt, Feld72), Axel Stockburger (Künstler). Moderation: Max Kintisch

In seiner Arbeit „Commission“ setzt sich Erik van Lieshout kritisch mit zeitgenössischen Strategien der Ikonisierung in Rotterdam auseinander, indem er eine Gegenüberstellung autistischer Architektur mit ihrem in Abrede gestellten Pendant provoziert. Nüchtern verabreicht van Lieshout dem räumlichen Kontext einer einst gefeierten, heute jedoch diskreditierten urbanen Utopie – einem Einkaufszentrum im heruntergekommenen Zuidplein-Viertel – eine Dosis der Philosophie und Architektur Rem Koolhaas’, des niederländischen Stararchitekten. Die künstlerische Gegenüberstellung wirft eine Reihe von Fragen im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Architektur, neuen städtischen Eliten und sich wandelndem Kapital, auf die sich ändernde soziale Rolle von Architektur in zeitgenössischen urbanen Entwicklungsprozessen und schließlich auf die Möglichkeit sinnvollen architektonischen Eingreifens unter dem Anspruch der gesellschaftlichen Veränderung einer Stadt auf, die von einer zusehends größeren Kluft zwischen Reich und Arm geprägt ist. Die Diskussion im BAWAG Contemporary wird der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Architektur von heute und fortgeschrittener urbaner Marginalität nachgehen.

Die zeitgenössische Architektur ist durch ein Wuchern von gewaltigen Wahrzeichen, von ikonenhaften Gebäuden charakterisiert, die von einigen wenigen begabten Individuen in Serienproduktion hergestellt werden, wobei die Architekten gegenüber den lokalen Zusammenhängen, in die ihre Werke eingebettet werden, gleichgültig bleiben. Was Maria Kaika autistische Architektur nennt, bezeichnet eine Praxis des Denkens und Planens in Städten, die „eine pathologische Versunkenheit in und Beschäftigung mit sich selbst bis zum Auschluss der äußeren Welt“ erkennen lässt. In der Weltstadt von heute finden sich grandiose, von Nouvel, Libeskind und ihresgleichen entworfene Ghettos in den Lüften neben verdichteten Nischen städtischer Armut, die auf den Rückständen alter und letztlich unerwünschter Infrastrukturen errichtet worden sind. Die Ikonen dieser neuen Architektur haben von der Möglichkeit Abstand genommen, „Bedeutung [für die Stadt] zurückzufordern, neu zu schaffen oder durchzusetzen“ und hinterlassen an deren Rändern mit jedem Wechsel der Gezeiten nichts anderes als eine immer größer werdende „Ablagerung“ alter, verbrauchter Junkspaces.

Die Ausstellung „Erik van Lieshout. Erik makes Happy“ ist noch bis Sonntag, den 29. Jänner 2012 täglich von 14 - 20 Uhr bei freiem Eintritt im BAWAG Contemporary zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
Podiumsdiskussion


BAWAG P.S.K. Contemporary
1010 Wien, Franz Josefs Kai 3
http://www.bawagpskcontemporary.at
Öffnungszeiten: täglich 14-20h

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