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Robert Freund - Everything Counts in Large Amounts: Zwischen Graphic Novel und Renaissance-Druck

Bei den comic-haften Tuschezeichnungen mit ihrer etwas groben, teilweise ungelenk wirkenden Linienführung, fühlt man sich sofort an Raymond Pettibon erinnert, aber auf seltsame Weise ebenso an die frühe Zeit der europäischen Druckgraphik wie sie etwa in der 1493 erschienenen Schedelschen Weltchronik zu finden ist. So finden sich an fliegende Fische gemahnende Bestien genauso wie das in der frühneuzeitlichen Kunst sehr beliebte Vanitas-Motiv in Form eines Spiegels, der einen Totenkopf zeigt. In einem tieferen Sinn passen diese beiden doch sehr weit von einander entfernten Welten, des modernen Comics und der frühen Gebrauchsgraphik wieder sehr gut zusammen, da sie beide im wesentlichen etwas erzählen wollen und mit dem Text eine unzertrennbare Einheit ergeben. Der 1981 geborene Robert Freund bezieht sich in seinen Arbeiten aber auf ein völlig anderes Narrativ als es die oben erwähnten – zur Alltagskultur zu zählenden – Genres tun: er zitiert aus Kunst und Kulturwissenschaft. So etwa in seinem tellerförmigen Portrait des Kunsttheoretikers und Sozialreformers John Ruskin, das durch den handgeschnitzten Buchenholzrahmen einen besonderen Bezug zu den Ideen dieses Vordenkers der Arts and Crafts-Bewegung hat.

Auch die bemalten Keramiken – die entfernt an chinesisches Porzellan der Ming Dynastie erinnern – scheinen auf den ersten Blick eher dekorative Gebrauchsgegenstände als eigenständige Kunstwerke zu sein. Wie alle gezeigten Arbeiten sind auch sie gekonnt an der Schnittstelle zwischen „pop-culture“ und „fine arts“ angesiedelt.

Man kann diese Schau also genauso gut aus rein ästhetischem Vergnügen, wie auch wegen der zahlreichen intellektuellen Verweise und Andeutungen, am besten aber wegen beidem besuchen.
Robert Freund - Everything Counts in Large Amounts
18.11 - 15.12.2011

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