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Grenzgänger zwischen High und Low

Helene Bosecker, 26.10.11

Diese Messe strahlt im Vergleich zur noch laufenden Venedig Biennale. Qualitativ hochwertige Werke reihen sich dicht an dicht und geben einen Überblick über neue Strömungen, wobei auch auf Picasso, Gerhard Richter oder Robert Rauschenberg nicht verzichtet wird. Alt und Neu scheinen nicht in Konkurrenz zueinander zu stehen, sondern sich zu ergänzen.

Michael Schultz (Berlin, Peking, Seoul, u.a. da mit SEO, Oliver Dorfer und Bernd Kirschner) bezeichnet die „Messe als bestens eingebettet in den Münchener Kunstherbst. Sie muss sich behaupten gegen das Halali der Antiquitätenhändler. Ich hoffe es gelingt ihr und schafft dadurch gute Voraussetzungen für eine Fortführung auf hohem Niveau.“ Angesprochen ist hier die gleichzeitig ausstellende Kunst- und Antikmesse, die von den Besuchern durchquert werden muss, um auf die Munich Contempo zu gelangen.

Das Besondere an der Messe in diesem Jahr ist die innovative Verwendung von Materialien, die mit dem jeweiligen Inhalt des Bildes in einen neuen und interessanten Kontext gestellt werden. Der CAS (Contemporary Art Space) Salzburg zum Beispiel zieht die Aufmerksamkeit durch die Asphaltbilder des Salzburger Künstlers Michael Schierl auf sich. Der massive Asphalt spiegelt die flüchtigen Lichter des Broadways wieder und überrascht den Betrachter mit der vielseitigen Einsetzbarkeit des alltäglichen Stoffes, der für seine Belastbarkeit bekannt ist und in dieser Verwendung filigran als Spiegel und plastische Aufwertung agiert (Michael Scheirl „Theatre“, 2011, Mixed Media, 200 x 150 m).

Auch der Künstler Antonio Marra, vertreten von der Galerie Heitsch, mit seinen, im wahrsten Sinne des Wortes, facettenreichen Arbeiten gehört dazu. Auf einer mit Modellierpaste beschichteten Leinwand wird mit Hilfe einer Rakel eine Struktur erzeugt, die Grate erzeugt und dem Bild plastische Qualität verleiht. Mit malerischer Feinarbeit wird die dadurch entstehende Dreidimensionalität genutzt, um dann drei verschiedene Bilder in einem Werk zu vereinen. Abhängig vom Standpunkt, rechts, links oder frontal, zeigen sich knallige geometrische Farbflächen. Ohne einen Betrachterpunkt herauszuheben ist die Veränderung der Wirkung durch das Umschreiten des Bildes besonders wertvoll und versinnbildlicht in technischer Raffinesse statisch Bewegung.
Die eigene Aktion des Kunstinteressierten, um die Werke zu entdecken, scheint allgemein gefragt zu sein. Die Künstlerin Tanja Boukal vereint in ihrem Zyklus „Die im Dunkeln sieht man nicht“ das bewegte Entdecken, das die Werke verlangen, mit einer traditionellen Materialverwendung. Schwarz-weiße gestrickte Vertikalen lassen in der Frontalansicht nicht vermuten, was sich beim Herumgehen zeigt. Aus den dünnen Linien entwickeln sich weibliche Personen, die Waffen in den Händen halten und dadurch die sozialkritische Botschaft enthüllen. Weibliche Terroristen werden hier dargestellt im weiblichen Medium der Handarbeit und zeigen ihre unerkannte Präsenz in der Männerdomäne Flugzeugentführer und Selbstmordattentäter. Die Polarisierung ist Teil der Arbeit. Die Handarbeit als feministisches Motiv darf aber nicht überbewertet werden. Die Fadenbilder von Monika Thiele, vertreten von der Karlsruher Galerie Supper, setzten sich mit den technischen Möglichkeiten von Stickkunst auseinander und ermöglichen dadurch einen annähernd malerischen Eindruck.

Offiziell als Gestaltungsmittel anerkannt wird der Kitsch bei den auf Blattgoldgrund gemalten Bildern von Sigrid Nienstedt (Galerie Ahlers, Göttingen). Als Inspirationsquelle dienten der Künstlerin christliche Ikonen, die den atmosphärischen Charakter des Sakralen in den Bildern ausmachen. Der Ewigkeitsanspruch im irdischen Sinne wird an Alltagsgegenständen und Tierdarstellung versinnbildlicht und verleiht diesen einen besonderen Glanz.

Tom Wesselmanns „Still Life und Collage auf Holz“ (1974) und „Nude Collage“ (1970) sind für den Galeristen Rainer Klimczak (Viersen) Grenzgänger zwischen Malerei und Collage. Mit der Verwendung von dreidimensionalen Fotos, Pop Art anmutenden Elementen und malerischen Überarbeitungen sind diese Arbeiten klassische Gemälde, die mit Alltäglichkeiten verbunden werden. Diese individuelle Wirkungsebene bleibt dem ungeschulten Auge verborgen, das die haptischen und durchdringenden Momente dieser Werke übersieht. Jens Hafenrichter (Nürnberg) verkaufte ein Werk des ubiquitären Julian Opie , einen pas de deux, Symbol für Zwischenmenschliches.

Die koreanische Baiksong Gallery (Seoul) überzeugt mit Arbeiten, die in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Veränderungen nicht von einer orientierungslosen, sondern von einer offenen Generation ausgehen. Die koreanische Tradition in der Bildkunst ist hierbei nicht verloren gegangen, sondern verbindet sich mit individuellen Debatten um Selbstverortung von Mensch und Kunst. Die westliche Welt mit ihren Gesellschafts- und Menschenbildern nehmen gleichgewichtig Raum ein und versöhnt sich mit dem Kulturerbe, ohne dieses zu unterminieren. Auch aus Korea kommt die With Space Gallery mit dem Schwerpunkt der „China-Truppe“ deutscher Künstlerinnen, die 2010 in der Ausstellung „Coinciding at the Wall“ in der Dependance der Galerie in 798 in Peking erstmals gemeinsam groß auftraten und zum Teil zum zweiten Mal auf der Munich Contempo ausstellten.

Klaus Kiefers Künstler sind intellektuelle Kreative, wie Pavel Feinstein und Yongbo Zhao (Galerie KK, Essen). Exemplarisch die Arbeit Pavel Feinsteins „Steinbeißer“ (2011, 70x160 cm). Feinstein vertritt einen neuen klassischen Standpunkt. Dominant erstreckt sich das Tier vor dunkelgrünem Hintergrund und erhält durch den leicht geöffneten Mund etwas Lebendiges. Der Eindruck eines Infinitiven, sich zwischen Leben und anderen Welten bewegen, wird durch die abgeschnittene Flosse des Fischkörpers verstärkt. Der Hammer als einzige Vertikale am linken Bildrand dynamisiert das Werk im kompositorischen Sinne, indem er als Gegengewicht zur Flächenhaftigkeit agiert und zu komplexen Gedankenkonstruktionen veranlasst, die mehrere Assoziationenketten zulassen.

Die Galerie White 8 (Wien) zeigt Chuck Close „Untitled (Kate)“ (2008, Pigmentprint auf archival gloss paper. Ed. 6/15, 156 x 109 cm). Die Galeristin Dagmar Aichholzer verweist auf die geringe Auflage von 6 Exemplaren.

Treppauf gab es die Sonderabteilung „Promising Land“, das Versprechen des gelobten Landes der Zukunft der Kunst. Neun Galerien lieferten hier Freches und Frisches. Im Zentrum steht der Mensch mit seiner durch ihn gestalteten Umgebung. Morbide Verzerrungen und skurrile Situationen stellen das Individuum zwischen sich selbst und allem anderen hin- und hergerissen dar und erzählen über den Kampf mit der Selbstfindung, wobei die Ironie und der Witz nicht fehlt, wie zum Beispiel bei den Werken der Galerie „Intoxicated Demons“ (Berlin) und den Künstlern „Sainer“ und „Sepe“. Mit ihren Arbeiten „Appletree“ (2010) und „Sailor“ (2011) werden die komplexen Möglichkeiten von Selbstzweifeln und Vertrauen dargestellt.

Generell schienen die Aussteller vom Besucheransturm erst enttäuscht, aber er pegelte sich am Wochenende etwas ein. Organisatorische Verbesserungen sind gewünscht, etwa höhere Temperaturen in den Räumen, kürzere Distanz zu den Toiletten, WiFi und Lösungen für gastronomische Probleme. Die Säulenhallen des Postpalasts und die hohe Qualität der Arbeiten erhielten aber uneingeschränktes Lob. Auch die Verkäufe können sich sehen lassen: Die Münchener Galerie Flash, Anfang Mai dieses Jahres gegründet, erzielte mit den Arbeiten von Nick Gentry Erfolge. Auch Jens Hafenrichter verkaufte das Werk „Eric und Sarah“ von 2010 für 65.000 €.
Meinte Klaus Kiefer verschmitzt: „Schrott ist überall wo meine Galerie nicht ist – aber in diesem Jahr ist die Messe vom Niveau her als durchaus gelungen zu bezeichnen.“ Es gibt schon Anmeldungen für das nächste Jahr.


Tipps

 

Postpalast
80335 München, Wredestrasse 10
Tel: +49 431 680 380
Fax: +49 431 680 388
http://www.munich-contempo.com/
Öffnungszeiten: Donnerstag, 30. September bis Samstag, 2. Oktober 12-20 Uhr Sonntag, 3. Oktober 11-18 Uhr




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2 Postings in diesem Forum  versenden Ihre Meinung

Munich Contempo
Kristina Jansen | 09.11.2011 13:50 | antworten
Und mir erschließt sich der Sinn ihrer Kritik nicht. Sie haben offenbar Schwierigkeiten mit der Textsortenbestimmung. Und, was viel schlimmer ist: Sie kritisieren den Stil der Autorin, schreiben selbst aber, und das in einem ganz kurzen Beitrag, ein deplorables Deutsch. Was Sie zu Papier bringen, ist weder gutes Deutsch, noch gutes Österreichisch. Legen Sie mehr Bescheidenheit an den Tag …
Mir erschließt sich der Sinn...
Frank Dutschmann | 04.11.2011 21:10 | antworten
...dieses Beitrags nicht ganz, Frau Bosecker.
Wenn dies eine Promotion für die Munich Contempo sein sollte,
dann war sie äußerst ungünstig. Im Falle einer Kritik würde ich sagen,
sie ist keine. Darüber hinaus verwenden Sie einen zu langen
Satzbau, was sich sehr holprig im Lesefluss niederschlägt. Achten Sie bitte
das nächste Mal auf ihre Mitstreiter und schauen Sie sich ruhig
einmal ihren Schreibstil an. Aber für eine amateurhafte
Darstellung der Munich Contempo war es den Versuch sicherlich wert.

Liebe Grüße,

Frank Dutschmann

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Munich Contempo

20.10.2011 bis 23.10.2011

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