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Die PreisträgerInnen des Alexander Reznikov Award 2008

MOUSSA KONE
Im Zentrum der Ausstellung „resetting/phantasana (curtain falls)“ steht eine große Tuschezeichnung (150 x 300 cm), die als Triptychon Einblick in eine Zirkusarena gibt. Berittene Elefanten führen dort unter den Augen ihrer Dompteure gelernte Kunststücke vor. Sie stehen dabei auf Dressurhockern, die den Tieren eine eigentümliche Künstlichkeit verleihen. Während die linke Seitentafel eine leere Tribüne in einer Parkanlage zeigt, haben sich auf der rechten Seite viele Zuschauer vor der Kulisse einer Stadt eingefunden. Einzelne Elemente des Bildes werden als real benutzbare Objekte im Ausstellungsraum umgesetzt. Dressurhocker, wie sie auch in den Zirkusnummern der Elefanten Verwendung finden, ersetzen die gewohnten Sitzmöbel. Ein Vorhang, der das Streifenmuster des Zirkuszeltes zitiert, wird über der gesamten Fensterfront installiert. Somit wird die Thomas K. Lang Gallery zur Arena und funktioniert wie eine begehbare Zeichnung von Moussa Kone.

MARIA & NATALIA PETSCHATNIKOV
Die Zwillinge Maria und Natalia Petschatnikov bilden nicht nur eine familiäre Einheit, sondern auch eine künstlerische. Alle künstlerischen Projekte führen sie von der Planung bis zur Ausführung gemeinsam durch, daher muss man sie als künstlerische Einheit verstehen. Seit sieben Jahren leben die beiden russischen Künstlerinnen in Deutschland.
Die Arbeiten der Petschatnikovs haben ihre Wurzeln in einer klassischen Malereiausbildung. Aus den Limitierungen der zeitgenössischen Malerei haben beide eine installative und raumgreifende visuelle Sprache entwickelt, die den jeweiligen vorhandenen Raum formal wie farblich gliedert. Einzelne Malereien können jedoch auch in die Gesamtinstallation integriert werden und verweisen so auf die Malerei als künstlerischen Ansatzpunkt. Dieser Bezug auf die Malerei unterscheidet sie von den meisten Installationen anderer Künstler.
Die einzelnen Installationen beschäftigen sich zum einen mit der besonderen Sicht von Zwillingen, als zwei Individuen als gedachte Einheit, auf die Welt. Zum anderen beschäftigen sie sich mit den unseren Alltag dominierenden Gebieten von Wissenschaft und Kommunikation. Maria und Natalie Petschatnikov führen hier die Effizienz und Ernsthaftigkeit ad absurdum. Zahlreiche Arbeiten entstanden als Folge von Reisen oder in Residence Programmen im In- und Ausland. Dies gehört zur Arbeitsweise der beiden, die sich gern einer fremden Umgebung aussetzten, um mit dem Blick von außen auf die Besonderheiten der neuen Umgebung zu reagieren.
Dieses Vorgehen wird auch bei der Arbeit „Formal Garden“ sichtbar, die auf einen Aufenthalt in Dublin 2004 zurückgeht. In dieser Arbeit greifen die Künstlerinnen eine an Barockgärten der Renaissance erinnernde Gartenanlage des Museums of Modern Art auf. Gebändigte Natur, extrem zu sehen an den gestalteten Hecken, wird zur Fortführung der Innenarchitektur. Dieses Verschmelzen von Innen- und Außenraum greifen die Künstlerinnen thematisch auf.

DEBORAH SENGL
Ich setze mich seit vielen Jahren mit den unterschiedlichsten Machtverhältnissen in unserer Gesellschaft auseinander. In der Politik, im Sport, in der Religion oder eben auch in der Medizin gibt es Täter und Opfer, Gewinner und Verlierer.
Die Beziehung zwischen Ratten und Menschen sticht dabei besonders hervor: Der Mensch steht mit der Ratte auf Kriegsfuß, weil sie an der Übertragung gefährlicher Krankheiten beteiligt ist. Ihr wird die Hauptschuld an den großen Pestpandemien des Mittelalters zugeschrieben – kein anderes Tier hat im kollektiven Gedächtnis Europas so viele Menschenleben auf dem Gewissen.
Interessant ist, dass genau diese mit Abscheu und Angst behaftete Spezies in der Forschung zum wichtigen Helfer der Menschen geworden ist. Wieder spielt sie eine Schlüsselrolle – diesmal aber im Kampf gegen die Plagen und Seuchen unseres Zeitalters. So ist die Ratte von der Keimzelle des Bösen zum Hoffnungsschimmer einer nach Gesundheit und Unsterblichkeit lechzenden Menschheit geworden.
Der Mensch scheint den Spieß umgedreht zu haben: der tödliche Feind wurde zum versinnbildlichten Leben. Doch was, wenn die Karten wieder neu gemischt werden? Die Arbeit ‚ohne Maßstab‘ will – mit einem bewussten Augenzwinkern und ohne ‚tierischen Ernst’ – auch daran erinnern, dass unsere Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben worden ist und die Maßstäbe ständig in Bewegung sind.
Deborah Sengl über ihre künstlerische Arbeit

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