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K 20 OFFEN

Gigantisch groß war sie inhaltlich schon immer. Ministerpräsident Rüttgers spricht nach zweijähriger Sanierung und Erweiterung des Wechselausstellungsbereichs von der „heimlichen Nationalgalerie“. Räumlich zumindest deutlich größer und klarer strukturiert ist sie, die „Kunstsammlung Nordrhein – Westfalen“ – seit einigen Jahren K 20 genannt - jetzt endlich auch. Und vor allem, dies liest man fassadenfüllend weiß auf gelb, ist sie wieder „OFFEN“ . Mit dem K 21, dem drei Katzensprünge entfernten Kompagnon für ausschließlich aktuelle Kunst im Ständehaus, dem ehemaligen Landtag, wird K 20 (1986 eröffnet) nun endlich auf Jahre ein kostenloser Shuttle verbinden, Daimler Benz sei Dank. Die Zeichen der Zeit stehen auf Vernetzung, besonders auf perfekter strategischer Bewältigung möglichst hoher Besucherzahlen auf dem obersten Level globaler Ausstellungsereignisse – dies abseits einer Meisterwerke-Kollektion von Beckmann, Picasso und Mondrian bis Bacon, Pollock, Warhol, Beuys und Scully. Dies war Armin Zweite, der der in diesen Tagen verstorbenen Gründungs-Legende Werner Schmalenbach (1962-1990) folgte, bereits sehr früh klar. Dem Zweite-Dirigat (bis 2007) folgte im vergangenen September Marion Ackermann (zuvor Kunstmuseum Stuttgart). Bereits 1990 hat der damalige Ministerpräsident Johannes Rau die Zusage für einen Ausstellungs-Anbau gegeben. Zweite war nicht nur einmal wegen der offensichtlichen politischen Finanzierungs-Trägheit kurz davor zu gehen. Nun aber endlich - nach zwei Jahren Umbau und erforderlichen 40 Mio. Euro, mit der NRW-Staatskanzlei als Bauherr und einer 4 Millionen-Unterstützung der „Gesellschaft der Freunde“. Im Fokus der Maßnahme stand wie gesagt ein neuer Ausstellungsbereich, der als lang gestreckter, über 1000 Quadratmeter großer, stützfreier und über 6 Meter hoher Raumquader (Kunstlicht) über ein jetzt entschlackt weitläufiges Entree effektiv besuch- und bespielbar ist - und „Untere Klee-Halle“ getauft wurde. Der Bornholmer Granit aus einem eigens reaktivierten dänischen Steinbruch fügt sich in der Außenanmutung mit extremem Unterstatement identisch dem Gründungsbau von 1986 ein. Identisch übrigens auch das wiederum beauftragte dänische Architektur-Büro Dissing + Partner. Die letzte freie Grundstücksbrache der Düsseldorfer Altstadt ist geschlossen. Den bisherigen Wechselausstellungsbereich hinzugerechnet, kommt man auf jetzt fast 1700 Quadratmeter – die so genannte Hauptnutzungsfläche des Gesamthauses liegt bei über 10 000 Quadratmetern. Mit einem fast entsprechend großen Hallenbereich (900 m², Mischlicht) im Obergeschoss des Neubaus ( „Obere Klee-Halle“), wurde ein fulminantes Kunstpräsentations-Sandwich geschaffen. Der „Amerikaner“-Saal mit den Pop art -Titanen muss nun nie wieder geräumt werden für Ausstellungen. Zuende ist auch der jahrelange Dauerclinch mit enttäuschten Besuchern, die eben gerade Warhol, Rauschenberg und Co. sehen wollten, die just gerade ins Depot wandern mussten wegen großer Ausstellungen. Man befindet sich mit dem Obergeschoss gleichzeitig in der ständigen Sammlung. Und klar wird, dass Marion Ackermann dynamischer mit der Sammlung umgehen und Gegenwartskunst sowie Klassische Moderne stärker aufeinander beziehen möchte. Wo früher die Grafik Julius Bissiers verwinkelt verdämmerte, entstand jetzt etwa ein besucher-interaktiver Laborraum, in den zum Auftakt Karin Sander putzige 3D K20-Besucher-Bodyscans anfertigt. Und die obere Klee-Halle zerbirst zum Auftakt nahezu durch einen permanent beblasenen, begehbaren Heißluftballon des belgischen Künstlers Kris Martin: eine monumentale Raumskulptur. Im Außenbereich hat man ab 10.7. Sarah Morris und Olafur Eliasson eingeladen, den K20-Remix zu veredeln. Die K20-Kunstschätze mit ihrer schier unglaublichen Menge an Schlüsselwerken des 20.Jahrunderts wurden vom Nebeneinader in größeren Bereichen nunmehr in eine stärker separierte und blickkonzentriertere Raumstruktur überführt. Inwieweit das jetzt verstärkt Zeitgenössische in K20 mit den genuin hochaktuellen Kunststrukturen von K21 kollidiert, bleibt abzuwarten. Auch Joseph Beuys wird, als Sammlungsbestandteil, derzeit noch als Joker behandelt . Der Grund: Im Rahmen der im September startenden zweiten Düsseldorfer Quadriennale will das „neue“ K20 seine neue Ausstellungstauglichkeit mit Joseph Beuys („Parallelprozesse“, 11.9. – 16.1.2011) unter Beweis stellen.

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