Female Statements

Leon Gumil Hainzl, 20.08.10

Geballte Frauenaugen sehen die Realität differenzierter als Männer. Konstruktionen einer performativ-ästhetischen Praxis spiegeln subtiles Denken und Handeln wider. In der Ausstellung hinterfragen post/feministische Arbeiten Ursache und Wirkung von Macht, geschlechtlicher oder sozialer Identität; andere reflektieren analytisch das Medium des Bildes oder Objektes. Erkennbare Schnittmengen sind eigenständige Sichtweisen zur Repräsentation und ihre komplexe Infragestellung.

Im gemeinsamen Werkprozess gehen Anna Artaker und Lilla Khoór der Geschichtsschreibung und einer referentiellen Bildproduktion nach. Filmstills aus der „Sissi“-Trilogie sind Pressefotografien der Ungarischen Revolution gegenübergestellt. In Performances, Zeichnungen, Malereien, Fotografien thematisiert Renate Bertlmann seit den 1970er Jahren das Rollenbild der Frau sowie Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Birgit Jürgenssens Arbeiten sind eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Freudschen Psychoanalyse und von einem gesellschaftskritischem Diskurs geprägt. Spezifisches Augenmerk legt Eva Schlegel in ihrer Kunstproduktion auf Neue Medien und experimentiert mit der Offenheit einer Wissenschaftlerin. Das Betriebssystem Kunst dokumentiert Lone Haugaard Madsen als Forscherin, indem sie spezifische Parameter hinterfragt. Marita Fraser, Eva Grubinger und Kathi Hofers Werke beschäftigen sich mit Hierarchie, Ambivalenz und der Frage einer (De)Konstruktion von Materialität.

Die fragmentierten Zeichnungen von Maja Vukoje fallen besonders auf. Sie bedient sich eines Archivs von etwa 5000 Dias ihres Vaters, auf denen Tiere, Landschaften und Portraits abgebildet sind. Die Künstlerin ordnete das Basismaterial und ließ es in ihre aktuelle Bildproduktion einfließen. Lisa Ruyter arbeitet mit einem fotografischen Blick, den sie für ihre großformatigen Gemälde auf das wesentliche reduziert. Gegenständliche Motive in schwarz-weiss wirken scherenschnittartig, farbige Sujets entziehen sich einer realistischen Wiedergabe. In Ulrike Lienbachers Zeichnungen und Videos ist der Körper ein Sensorium psychischer und gesellschaftlicher Prozesse. Weiters werden Fotografien, Collagen, Zeichnungen von Tatiana Lecomte, Patricia Reinhart und Astrid Wagner gezeigt, die sich exemplarisch mit Wahrnehmung, Nachbearbeitung und Deutungsmöglichkeiten auseinandersetzen.

Bruchlinien treten bei der Präsentation insgesamt in den Hintergrund, wichtiger ist die geistige Verbindung zwischen den Generationen. Die Gruppenausstellung überzeugt durch Authentizität, die einzelnen Positionen im langgezogenen Hauptraum und im zweiten Raum sind gut platziert. Allerdings fehlt für ein optimales Rezipieren teilweise ein definierteres Setting. Es würde die gegebene inhaltliche Qualität noch verdichten.


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Gruppenausstellung: Artaker, Bertlmann, Fraser, Grubinger, Hofer, Jürgenssen, Lecomte, Lienbacher, Haugaard, Ruyter, Reinhart, Schlegel, Vukoje, Wagner

30.06.2010 bis 07.09.2010

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