Versteckter Sehnsuchtsort gleich hinter der Schleifmühlgasse: Das Ve.Sch, ein Offspace, der die intuitive küstlerische Perspektive hoch hält
Anne Katrin Feßler, 22.02.10
Eine unscheinbare Türe in der Schikanedergasse 11 führt ein paar Treppenstufen hinab in einen ehemaligen Lagerraum. An die ehemalige Funktion erinnert heute allerdings nichts mehr. Zwei Räume sind dort kommunikativ miteinander verflochten: Ein gleißend hell ausgeleuchteter White Cube und ein Barraum mit diffuserer Beleuchtung: Hier in unmittelbarer Nähe zu Schleifmühlgasse und Naschmarkt öffnete im Herbst 2008 der „Verein zur Förderung neuer Zugänge zu Raum und Form in der bildenden Kunst“, kurz: das Ve.Sch. Der Name steht für Martin Vesely und Marcel Schnellinger (inzwischen aus dem Projekt ausgestiegen), aber indirekt auch für Alois Bernsteiner. Ohne Alois Bernsteiner wäre es nicht möglich gewesen, die desolaten Räume zu adaptieren, erzählt Vesely.
Generell sei Bernsteiner immens wichtig für das Projekt: „Die Künste werden als wichtiger Teilbereich der Gesellschaft angesehen, das Geld muss jedoch woanders verdient werden“, fasst Martin Vesely die Realität vieler Künstler und den Umstand zusammen, dass sich der Staat aus der Förderung von Kultur immer mehr heraus hält. Vor diesem Hintergrund hat das Engagement von Alois Bernsteiner für Vesely besonderes Gewicht: „Ein Handwerker, politisch gesehen also ein Arbeiter, der Kunst unterstützt.“ Bernsteiners Engagement für Kunst und Künstler schlägt sich inzwischen auch in einer durchaus beachtlichen Kunstsammlung nieder. In der Schiffsamtstraße, wo Bernsteiner bisher nur temporär Ausstellungen organisierte, wird er in absehbarer Zeit ebenfalls einen Kunstraum etablieren.
„Es gibt eine extrem große künstlerische Dichte, aber der Markt ist zu klein“, beschreibt Martin Vesely die Wiener Szene. Die Galerien könnten gar nicht dafür herhalten, diese Vielfalt auch wiederzuspiegeln. Aus dieser Situation heraus, so der 35-jährige Künstler, entwickle sich „die Sehnsucht nach eigenen Räumen“. Der Futuregarden von Amer Abbas, ein Ort, der Kunst und Musik miteinander verschmilzt, sei für ihn ein zusätzlicher Anstoß gewesen, „aktiv mitzuwirken und sich in der Kunststruktur der Stadt zu platzieren“. Ihm sei allerdings das Nebeneinander der beiden Räume – Galerie und Bar - wichtig gewesen: „Schulter an Schulter“, aber doch separiert.
Ein Konzept das funktioniert: donnerstags zu den Eröffnungen oder bei den kleinen Konzerten und Performances, die das monatliche Ausstellungsprogramm erweitern, ist das Ve.Sch gesteckt voll – nicht nur mit Künstlern. Für Vesely ist die zwanglose Kommunikationsstruktur bei Ve.Sch wichtig. Die Bar binde die Leute: „Wir neigen dazu, uns Punkte im Stadtgebilde zu suchen, um dort regelmäßig wieder zu kehren.“ Und sie unterstützt beim notwendigen Knüpfen von Netzwerken. Abgesehen davon, ist es aber - ganz pragmatisch - eine gute Möglichkeit, den Raum zu finanzieren. „Strukturerhaltung“, sagt Vesely.
Was Ve.sch von anderen Kunsträumen unterscheidet, ist die Perspektive, denn die ist eben nicht kuratorisch, wie so oft, sondern künstlerisch, was bedeutet „intuitiver und spekulativer“ in ihren Zugängen. Auch die aktuelle Ausstellung „1000 Years of Fear“ wurde von zwei Künstlern organisiert: Herbert De Colle & Hannes Ribarits, die das künstliche Hochhalten eines Unruhezustands, das Aufplustern und Täuschen in der Kunst, zur Sprache bringen.
Dass das Ve.Sch als Offspace gilt, hat Vesely anfangs allerdings gar nicht gefallen, denn es ging niemals darum, temporär auf einen Zustand zu reagieren. Ve.Sch sei stes als langfristiges Projekt konzipiert gewesen, mit dem Ziel sich zu institutionalisieren.



