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(22.01.10)

„Das einzig wirklich Wichtige im Leben ist Veränderung“

Der New Yorker Architekt Vito Acconci feiert am 24. Januar 2010 seinen 70. Geburtstag.
Acconci hat sein Betätigungsfeld mehrmals radikal gewechselt: Er war Poet, dann Performancekünstler. Seit Ende der 80-er Jahre widmet er sich ganz der Architektur. Als visionärer Kopf des „Acconci Studios“ denkt er über flexible Funktionen der Architektur nach.

Sie kritisieren an der Architektur, dass sie vorgibt, wie sie genutzt werden soll.
Vito Acconci: Mit dem Raum entwirft man auch das Verhalten der Menschen. Viele Architekten denken darüber nach, dies umzukehren. Architektur wird unweigerlich veränderbar werden; sie wird sich an die Menschen anpassen, die sie nutzen. Vielleicht werden die Menschen ihre eigene Architektur tragen, vielleicht wird Architektur und Kleidung eins sein, und du kannst hingehen wo immer du möchtest, wie ein Nomade. Anstatt Heim zu gehen, trägst du dein Heim am Rücken und kannst es einfach aufpumpen.

Ist die Popularität ihrer Arbeit wichtig für Sie?
Acconci: Ja, ich denke, dass Popularität wichtig ist. Ich hätte sehr gern, dass Leute, die in unsere Projekte involviert sind, spüren, dass Raum nicht so unveränderbar ist, denn das einzig wirklich Wichtige im Leben ist Veränderung: dass Städte sich verändern, dass Menschen sich verändern... Auch wenn etwas schlechter wird, dann ist es eventuell so schlecht, dass es das nächste Mal noch viel besser gemacht werden muss. Die USA hat aktuelle Beispiele geliefert (lacht).

Sie haben sich von der Kunst abgewandt, da sie nicht für alle erfahrbar ist. Welche Vorzüge haben Architektur und Design noch?
Acconci: Architektur erlaubt jederzeit Renovierung. Das ist sehr gesund, da etwas nicht für alle Zeiten perfekt ist. Und Kunst scheint immer mit Konservierung verbunden zu sein; es soll im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben. Ich mag, dass Architektur Zeit erkennt. Zeit ist nicht wichtiger als Raum, aber es scheint, als ob sich Raum ohne Zeit nicht verändert.

Könnten Sie sich vorstellen, jemals wieder Kunst zu machen?
Acconci: Ich glaube nicht. Die Tradition der Kunst ist nach wie vor: Der Betrachter steht hier, die Kunst ist dort. Der Betrachter fühlt sowohl Sehnsucht als auch Frustration. Ich interessiere mich mehr für den Teilnehmer als für den Betrachter, für Close-ups mehr als für Ansichten. Vielleicht verliert man den Überblick, aber nahe dran kann man etwas auch schmecken, riechen, alle Sinne werden angesprochen. Man lernt mehr.

Und wie sieht es mit einer Rückkehr zur Literatur aus?
Acconci: Als letzte Rettung, wenn ich nicht mehr als Teil des Studios arbeiten könnte, würde ich wieder schreiben, aber auch dann nur über Architektur und Design.

Welche Wünsche haben Sie an Ihrem 70. Geburtstag?
Acconci: Ich hoffe, dass wir Architektur machen können, die die Menschen mehr dafür halten als bisher. Darüber hinaus möchte ich auch Architektur machen, die mit einer Art Fahrzeug verbunden ist. Und auch Architektur, die Kleidung nicht unähnlich ist. Das sind die Themen, die mich zur Zeit beschäftigen.

Ingrid Susan Janusch



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