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(20.01.10) Wir alle sind Vertreter
Das Projekt „mob il 1“ war der Beginn einer ungewöhnlich schnellen Karriere als Künstlerin: eine große Inszenierung mit 5000 Kunststoff-Babyköpfen in einem „gläsernen“ LKW, mit dem Claudia Rogge alleine durch die Hauptstädte Europas tourte – der Anfang eines Werkes, das sich in verschiedenen Medien auszudrücken weiß. Nicht nur bildhauerische, performative Arbeiten entstehen seitdem, sondern vor allem Fotokunst. Doch auch hier ist Claudia Rogge gleichermaßen eine Choreographin: In ihren digital bearbeiteten Bildern montiert sie einzelne Personen zu faszinierenden Tableaus, die das Individuum stets als Teil einer Personengruppe inszenieren. Wie Standbilder aus Theateraufführungen, aus Performances muten diese Fotografien an – aber nicht nur: Ein anderer Strang ihres Werkes „klont“ einzelne Personen zu abstrakten Mustern und Reihungen, entzieht ihnen das Individuelle, fügt sie zu einem übermenschlichen, harmonischen Ganzen. Das Irritierende an den Arbeiten von Claudia Rogge ist stets das Nebeneinander von glänzender Ästhetik und einem Gruseln, das die Uniformität der gezeigten Figuren stets mit sich bringt. Wenn die Künstlerin etwa bei ihrem Projekt „mob il 2“ 66 nackte, kniende Kunststoff-Männer wiederum durch Europa fahren ließ, dann evozierte sie damit ungewöhnlich schroffe Ablehnung der Passanten. Und auch in ihren Fotoarbeiten gelingt Claudia Rogge Ungewöhnliches: Nur wenige Fotokünstler – zu nennen wären etwa Andreas Gursky oder Andreas Gefeller – beherrschen das Spiel mit den Möglichkeiten der digitalen Montage auf eine ebenso perfekte, weil zweideutige Weise. Viele dieser Bilder in dem hochwertig gedruckten Band muten an wie authentische Aufnahmen – doch sie sind Digital-Montagen einer Vielzahl von Bildern. Und was sagen uns diese Fotografien? Das Individuum, das gibt es nicht. Wir alle sind Vertreter, spielen nur eine Rolle, sind alle nur Ornament, reproduzierter Teil eines Ganzen, letztlich: sinnentleert. Das ist starker Tobak – präsentiert als atemberaubende Hochglanzfotografie. Marc Peschke
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