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Horden aus dem Norden

Semesterbeginn ist. Grimmiger denn je ist mit Horden aus dem Norden zu rechnen, die die zarten Pflanzen gnadenlos zertreten, wie sie Österreich ohne Numerus Clausus und jetzt sogar auch ohne Studiengebühren blühen lässt. Die Deutschen kommen, Ausländer, und fressen den Inländern ihre Hörsaalplätze weg. Und dafür müssen sie nicht einmal die Landessprache lernen. Kein Wunder, dass auch besonnene Stimmen einen Ausgleich fordern. Man nennt diesen Ausgleich Geld. Machen wir an dieser Stelle eine kleine Erhebung. Fragen wir nach den Deutschen, wie sie Professorenstellen in Österreich innehaben. Machen wir die Erhebung im eigenen Fach, in der Kunstgeschichte mithin, weil ich davon mehr verstehe als etwa von theoretischer Physik. Also: An der Universität Wien wird das Triumvirat Friedrich Teja Bach, Raphael Rosenberg sowie Viktor Michael Schwarz, der auch der Dekan ist, von Deutschen gebildet. In Graz hat Johann Konrad Eberlein den Lehrstuhl von seinem Landsmann Götz Pochat übernommen, in Salzburg wird das Institut für Kunstgeschichte von den Damen Renate Prochno und Andrea Gottdang betreut, wobei die eine in München, die andere in Kiel promoviert hat. Einzig Innsbruck versagt sich der German Invasion. Bei den Kunstuniversitäten sieht es so aus, dass an der Angewandten die Deutsche Verena Krieger die Deutsche Gabriele Werner beerbt hat. In Linz war bis vor kurzem Barbara Paul die Kunsthistorikerin, jetzt wird die Stelle neu ausgeschrieben. Von der piefkinesischen Revolution an der Akademie am Schillerplatz brauchen wir nicht weiter reden. In der Tat erstaunlich, wie hoch der Ausländeranteil ist, und man muss sich schier einige Fragen stellen: Sind die hiesigen Kunsthistoriker am Ende so schlecht? Ist es purer Kolonialismus? Was wird aus den Österreichern, die jetzt von Deutschen unterrichtet werden – sehen die sich auch in nächster Generation in den Schatten gestellt? Und: Wer vergütet den Deutschen ihre Bemühungen? Denn natürlich sind die Herr- und Frauschaften nicht nur biografisch, sondern auch akademisch deutscher Provenienz. Was, rechnet man es ins Pekuniäre um, nur heißt, dass der große Nachbar ihnen die Ausbildung bezahlt hat, deren Früchte jetzt an den kleinen Nachbarn weitergereicht werden. Und womöglich gilt das nicht nur für die Kunstgeschichte. Der Universitätsbetrieb hört nicht an der Grenze auf, und selbstverständlich ist das gut so. Vielleicht sollte man sich also nicht so weit aus dem Fenster lehnen in Wien und Umgebung, wenn jetzt das neue Semester losgeht. Oder auf gut einheimisch: Die Pappn halten.

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