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Always at Hand - Taschen vom Mittelalter bis heute: Schöne, treue Begleiterin

Die Tasche – Behältnis für diverse Gegenstände- ist heute für Frauen zum wichtigsten, unverzichtbaren Accessoire ihrer Kleidung geworden. Längst sind die Zeiten als die benötigten Dinge unterm Rock versteckt wurden - so geschehen vom Mittelalter bis zum Barock - vorbei. Taschen-Enthusiastinnen scheinen derzeit sogar die Schuhfetischistinnen zu verdrängen. Doch auch dieses Objekt der Begierde ist Diskussions- und Forschungsgegenstand der Medizin geworden und steht in mancher Form dem High-Heel um Nichts in seiner Schädlichkeit nach. Seit den 1980er Jahren versuchen Modeschöpfer jede Saison durch immer neuere Kreationen ihre Tasche als Favoriten der Fashionistas zu positionieren. Im musealen Bereich hat man ebenfalls begonnen, die Bedeutung der Accessoires aufzuarbeiten und mittels Themenausstellungen und wissenschaftlichen historischen Abrissen ihren Wandel in der Zeit aufzuzeigen. Im Nationalmuseum in Krakau findet bis zum 8. Nobember 2009 eine Ausstellung statt, die diesem Trend folgend, die Entwicklungsgeschichte der Damentasche seit dem Mittelalter bis zu den 1970ern vor allen aus polnischen Beständen zeigt. In einem raffinierten Arrangement - eine urbane Landschaft mit einer eleganten Allee, inszenierten Einkaufsläden und weiblichen Schaufensterpuppen - werden circa 200 Exponate in all ihrer stilistischen Vielfalt präsentiert. Chronologisch in mehrere Gruppen aufgeteilt, folgen Formen und Ausführungsarten von Taschen, Beuteln, Brieftaschen und Rucksäcken in ihren wechselnden Funktionen, jeweils angepasst an den sozialpolitischen Wandel und gesellschaftlichen Verhaltensmustern. Hatten Taschen zuerst einen alltäglichen Gebrauchtswert oder dienten sie Reisezwecken, ändert sich die Situation im 20. Jahrhundert. Die Tasche wird zum Spiegel der Persönlichkeit ihrer Trägerin. Während im 18. Jahrhundert die Damen ihre Beutel, in denen sich Stickereien und Handarbeiten befanden, um den Hals gehängt trugen, um ihren Fleiß zu bezeugen, war die so genannte Réticule, nach der Mätresse des französischen Königs Ludwig XV auch Pompadour genannt, die erste Tasche im heutigen Sinn. Seitdem begannen sich Formen und Materialien der Damentaschen rapide zu ändern: schwarze Balltaschen, modische Silberbeutel, die ersten Leder- und Kunsfstofftaschen aus den 1920er Jahren, geräumige Hängetaschen aus den 1930ern, Flower-Power Taschen der Hippiebewegung, Taschen von arbeitenden Frauen, unter denen sich in der Ausstellung auch die kleine Ledertasche der derzeitigen Museumsdirektorin Zofia Golubiew befindet. In der Zwischenkriegszeit nehmen Art Déco Kuverttaschen zum ersten Mal die geometrischen Formen und Farben der bildenden Kunst auf. In Prächtigkeit und Üppigkeit legen die Taschen auch Zeugnis über den sozialen Status ihrer Trägerin ab. Es entstehen Luxustaschen aus Perlen, Pfauenfedern, Glitzer und wertvollen Steinen, und sogar aus Gurkenkernen, die man zu den kostbarsten Objekten der Gebrauchskunst zählen kann. Und es sind eben die Frauen und ihr unersättliches Begehren nach Schönheit, die aus dem schmucklosen männlichen „Geldsack“ diese individuellen Kunstwerke und damit einen praktischen Gegenstand geschaffen haben. Heute kann man von der damaligen Vielfalt und zum Teil sehr eleganten Schlichtheit einer Damenhandtasche nur träumen - und nach Krakau pilgern.
Always at Hand - Taschen vom Mittelalter bis heute
25.06 - 08.11.2009

Nationalmuseum Krakau
Krakau, 1, 3 Maja Av.
Tel: +48 12 295 55 00
Email: dyrekcja@muz-nar.krakow.pl
http://www.muzeum.krakow.pl


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