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Museumsordnungen neu: Hochgecoachte Egos und versteckte Bomben

Des Herausgebers frankophile Übertitelung dieser Zeilen verspricht Eleganz, Leichtigkeit und Takt, Eigenschaften, die sich in der Balance zwischen notwendigem Aussprechen und angebrachtem Schweigen erweisen sollen. Schweigen wäre manchmal souveräner in einer kulturpolitischen Landschaft, in der es Usus ist, sich als Geschäftsführer in einer Bilanzbroschüre (Museumsquartier Wien - Eine Bilanz) auf 18 von 56 Seiten prominent zitieren zu lassen, Museumsprogramme "Flak4Family" oder "MAK über Wien" zu betiteln, oder die Nichtverlängerung eines Direktors mit den royalen Worten „Ich wünsche mir dort eine Veränderung“ zu begründen. So sehr es also reizt, den hochgecoachten Egos nur mit einem stummen, milden Lächeln zu begegnen, soll dieser Ort doch dem klaren Ausdruck, dem Abwägen und der Transparenz verpflichtet sein.

Als vorbildlich transparent soll daher anerkannt werden, dass das BMUKK die Entwürfe für die neuen Museumsordnungen öffentlich zum Download bereitgestellt hat und die Einladung zur Abgabe von Stellungnahmen damit auf uns alle ausgedehnt hat. Also kurz:

Die obsessive Fokussierung der medialen Teilöffentlichkeit auf das "Aufräumen" im Bereich der Gegenwartskunst lässt übersehen, dass die Probleme – neben den von den Museen nicht wahrgenommenen Themenfeldern in den Kultur- und Gesellschaftswissenschaften – im Zusammenspiel der Leitungsebenen und in der Verfasstheit der dort Agierenden liegen. Nicht direktorale Egomanie oder ministerieller Eingriff sind internationaler Standard, sondern Verantwortung gegenüber seriös besetzten Boards und kluge Einbeziehung von Fach- und Zivilgesellschaft. Richtigerweise reagieren die Entwürfe mit einer Stärkung der derzeit im Schatten agierenden Kuratorien und ihrer Angleichung an GmbH-Aufsichtsräte, wobei ihre fragwürdige Besetzungsstruktur einstweilen noch unverändert bleibt, da für eine Änderung eine Novellierung des Bundesmuseengesetzes nötig wäre.

Die Schlankheit der Definitionen der Kompetenzen und die Vereinheitlichung der Leitungsstrukturen ist nicht nur legistisch-handwerklicher Fortschritt, sondern bereitet auch der teils verschwurbelten Prosa der bisher gültigen Texte ein Ende, die eher in Verordnungen gegossene Wunschkonzerte waren, als konzise republikanische Normen.

Die nun vorliegenden Entwürfe können erste Schritte in die richtige Richtung sein, denen viele weitere folgen müssten. Statt die vierfach überlappende Zuständigkeit für eine Holleinzeichnung (Quizfrage: international?, österreichisch?, angewandt? gezeichnet oder architekturbezogen?) zur Überlebensfrage zu machen, müssen in der nun folgenden Begutachtungsphase die versteckten Bomben identifiziertwerden. Straffung und Stärkung der Steuerung und Aufsicht ist mit dem richtigen Regelwerk und in den richtigen Händen eine Tugend, die in den falschen leicht zum Skandal wird: Wenn also – wie zum Beispiel bei der Geschäftsordnung für das Kuratorium – „das Kuratorium erstellt und die Bundesministerin genehmigt und erlässt“ oder – bei der Geschäftsordnung für die Geschäftsführung – zwar „die Geschäftsführung im Einvernehmen mit dem Kuratorium erstellt“ jedoch „die Bundesministerin genehmigt und erlässt“, ohne dass eine Fachinstanz außerhalb des Ministeriums und der DirektorInnenkonferenz etabliert wird, stehen mehr denn je die Bestellungsmodalitäten, die Fachkenntnis und die Seriosität aller LeitungsakteurInnen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dies umso mehr als sich Verantwortlichkeiten ja auch ändern können.

Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
wunderbar ...
Walter Stach | 08.02.2010 05:04 | antworten
... finde ich, dass in allen Museumsordnungen das "Vermitteln" vor allen anderen Aufgaben des jeweiligen Museums geordnet wurde. Ein Fortschritt.

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