Werbung
,

MAIN STREET - Design ohne Designer: Zwischen Schimmel und Schublade

Design kann eine Strafe sein. Da verschimmeln Designerzahnbürsten in ihren designten Halterungen, die leider keinen Abfluss haben. Da kleckert die Suppe vom Löffel, an dessen Designerstiel die Hand des Essers keinen Halt findet. Da sabbert Zitronensaft mitsamt der Kerne ins Glas, die vom Saft zu trennen der Designer nicht nötig fand. Derartige Geschichten sind zahlreich. Je nach Leidensfähigkeit erträgt man sie oder greift doch wieder zu funktionsfähigen Gebrauchsgütern. Die Disziplin des Designs insgesamt zu diskreditieren wäre dennoch ungerecht. Ebenso lang wäre die Liste von Klassikern, deren formale Gestaltung die Zeiten ebenso überdauert hat wie sie ihre Gebrauchsfähigkeit seit Jahrzehnten beweisen. Und dann gibt es noch die, die einem erst dann so recht auffallen, wenn man sich zu lange mit schlechten Lösungen herumgeärgert hat: jene "anonymen" Dinge, die irgendwann einmal eine Gestalt bekommen und diese auch behalten haben, einfach weil sie sich bewährt hat. Hierauf richtet die Ausstellung im WAGNER:WERK Museum Postsparkasse ihren Blick: auf die Aschenputtel von Bad, Küche und Wohnzimmer – die Wäscheklammer, den Sparschäler, die Wiener Kaffeehaustasse oder auch die Tupperdose. Die amüsante und lehrreiche Zusammenstellung macht Lust zum genaueren Hinsehen und Befragen jener Gegenstände, die die alltäglichen Handgriffe prägen – und damit auch zur Bewusstmachung der sich wandelnden Mechanismen des Gebrauchs und der Kriterien von gutem Design. Das kann duchaus auch Ikonen betreffen, etwa den als Fallbeispiel in der Ausstellung präsentierten Thonet-Sessel Nr. 14, 1859 entworfen und allein in den ersten 70 Jahren seit seiner Markteinführung rund 20 Millionen mal produziert und platzsparend in Einzelteilen in alle Erdteile geliefert. Ein zeitloser Klassiker, den selbst Hardcore-Dogmatiker wie Le Corbusier immer wieder verwendeten. Was hier aber mal gesagt werden muss: Der Nr. 14 ist im Grunde furchtbar unbequem.
MAIN STREET - Design ohne Designer
06.10 - 14.11.2009

WAGNER:WERK Museum Postsparkasse der BAWAG P.S.K.
1018 Wien, Georg-Coch-PLatz 2
Email: m.pasterk@signa.at
http://www.ottowagner.com
Öffnungszeiten: Mo-Mi, Fr 8-15, Do 8-17:30, Sa 10-17 Uhr


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2020 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: