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(26.06.09)
Knoll Galerie Wien


Csaba Nemes - Jeden Tag ist 1956
07.06.09 bis 31.07.09

Jeder Tag eine Revolution

Für „Puhányok“ („Weichlinge“) ist die gleichnamige Videoarbeit des ungarischen Künstlers Csaba Nemes (geb. 1966) nicht geeignet. Das 17-minütige Video, welches neben seinen Gemälden in der Knoll Galerie gezeigt wird, spielt in Budapest und berichtet von einem fiktiven Überfall zweier Männer (Tenkes und Kenó) auf einen jüdischen Studenten, den sie zwingen, vor laufender Kamera einen nationalistischen Eid zu schwören. Die Brutalität liegt weniger in der körperlichen als der psychischen Gewaltanwendung. Die Rahmenhandlung bildet das Interview eines Journalistenteams mit Tenkes. Mittels Rückblenden wird der Tathergang rekonstruiert.

Die Rollen von Opfer und Täter scheinen klar verteilt. Doch der Versuch einer Beschreibung der Typen, welche hier repräsentiert werden, ihrer Zielvorstellungen und Werte, endet in Widersprüchen. Nemes zufolge sind alle Akteure in dem Video „Softies“. Diese Weichheit bezieht sich nicht ausschließlich auf Charaktereigenschaften, sondern auch auf die Dehnbarkeit bestimmter (politischer) Begriffe. Auf Fragen gibt Tenkes keine eindeutigen Antworten. Er lässt sich weder auf ein Motiv noch auf irgendeine politische Haltung festlegen. Die geistige Ortlosigkeit wird unterstützt durch den Schauplatz, in dem das Interview stattfindet – die Wohung gehört nicht Tenkes, sondern ist nur ein undefinierter Ort, in dem er sich aufhält. In dem sonst leeren Raum ist ein Fahrrad an die Wand gelehnt. „Ungarische Werte“ zu vertreten und gleichzeitig an „Critical Mass“-Demonstrationen teilzunehmen, die für ein grüneres Budapest kämpfen, schließt sich für den Protagonisten einander nicht aus.

Antisemitismus und Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, aber auch das komplexe Verhältnis von Öffentlichkeit und Repräsentation, die Übernahme von Rollen und deren mediale Aufbereitung werden in dieser vielschichtigen Arbeit thematisiert. Csaba Nemes schafft Kunstwerke, die zwar stark von aktuellen lokalen gesellschaftspolitischen Konflikten geprägt sind, aber zeitlich und geographisch übergreifend Relevanz besitzen. In der heutigen Situation Ungarns findet er dabei immer wieder neue Konflikte und Reibungspunkte.

Katja Melzer

Knoll Galerie Wien
1060 Wien, Gumpendorfer Straße 18
Tel: +43 1 587 50 52
Fax: +43 1 587 59 66
email:
knollgalerie@aon.at
http://www.kunstnet.at/knoll
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-19, Sa 11-15 Uhr
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