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Renata Šikoronja 1969-2009

Silvie Aigner, 15.02.09

Wir mögen die Welt kennen lernen
wie wir wollen,
sie wird immer eine
Tag-und eine Nachtseite behalten.

(Johann Wolfgang von Goethe)


Wir haben mit Renata Sikoronja am 2. Februar 2009 eine Kollegin und Freundin verloren, deren wissenschaftliche Arbeit ebenso wie ihre Kommunikationsbereitschaft sich in einem Netzwerk von KünstlerInnen, Kuratoren und GaleristInnnen und in den gemeinsam entstandenen Projekten widerspiegelt. Ihre integrative Art, Menschen zu verbinden, sie an einen Tisch zu Gesprächen zu versammeln und ihre Fachkenntnis hat viel dazu beigetragen Projekte erst tatsächlich auf den Weg zu bringen. Stets war es ihr ein Anliegen die Inhalte in einem größeren Kontext zu formulieren. Geboren 1969 in Klagenfurt wuchs Renata in Kärnten auf, geprägt durch das Gegenüber und Ineinander verschiedener Regionen, die bereits in ihrer eigenen Familie durch die kärntner-slowenische Mutter und den kroatischen Vater verwurzelt waren. Die offene und herzliche Aufnahme regionaler und internationaler KünstlerInnen in der Galerie ihrer Mutter prägten Renata wohl ebenso nachhaltig. Doch ihre Tätigkeit auf die, für sie selbstverständliche, Mehrsprachigkeit zu reduzieren, hieße ihr Wesen und ihr wissenschaftliches Interesse nur in dieser Richtung wahrzunehmen. Dennoch bildete diese für das Verständnis jener Regionen, in denen sie ihre wichtigsten Arbeitsfelder fand eine notwendige Basis. Renata studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Graz und Wien. In Wien fand Renata wie sie selbst schrieb ihre emotionale „Heim-Stadt“. „Durch die Arbeit mit und in diversen Galerien und Institutionen habe ich ein Gefühl dafür bekommen, was Kunst heute leisten kann, welche Kriterien sie erfüllen sollte, wie wichtig klare künstlerische Zielvorgaben sind und wie wichtig vor allem das Umfeld selbst ist” schrieb sie im Vorwort ihres Buches KUNST AN DER GRENZE/ UMETNOST NA MEJI
Zur Lage der Kunst im Kulturraum Kärnten/Slowenien/K polozaju umetnosti v kulturnem prostoru Koroska — Slovenija, herausgegeben von KIGRO - Kulturinitiative Galerie Rosegg-Šikoronja.

Ab 1999 arbeitete Renata in der Wiener Secession, deren Geschäftsführung sie von 2001 bis 2003 übernahm. Danach war sie freiberuflich als Redakteurin und Projektleiterin tätig u. a. bis 2008 für „Tranzit“, eine Initiative der Erste Bank-Gruppe zur Förderung zeitgenössischer Kunstprojekte in Zentraleuropa. Zwischendurch lebte sie gemeinsam mit ihrem Mann Leo wieder einige Jahre in Klagenfurt, aber es „mochte ihr nicht gelingen“ wie sie selbst zugab. Das lag vor allem daran, dass ihr Betätigungsfeld, die jungen und jüngeren zeitgenössischen Kunst, in Kärnten kaum präsent war, da fast alle jene Kärntner KünstlerInnen mit denen Renata arbeitete und/oder die zu ihrem Freundeskreis zählten in Wien lebten und so zogen sie wieder zurück, in die Wiener Leopoldstadt. Die Galerie ihrer Mutter im kleinen Ort Rossegg im Rosental blieb jedoch eine wichtige Anlaufstelle. So vermittelte Renata innerhalb der sich immer rascher global und pluralistisch definierenden Gegenwartskunst stets die Bedeutung und den Kontext regionaler Kunst. Daneben schuf sie unermüdlich Kontakte zwischen Wien und Kärnten, die für alle, die am Kunstgeschehen interessiert und beteiligt sind, immer von Bedeutung bleiben werden. Ihrer Begeisterung für viele Dinge konnte man sich kaum entziehen. Man sah sich die von ihr empfohlene Ausstellung an, kontaktierte den Künstler den sie einem ans Herz legte oder freute sich einfach über eine neue Freundschaft die durch Renata entstand. So lernte ich übrigens auch die besten Spinatknödel Klagenfurt und ihre Köchin kennen. Am Stand 17 am Benediktinermarkt mitten in der Stadt. Sie wusste um die Präsenz und überregionale Bedeutung der Kunst aus Kärnten. Dies kam schon in ihrem Buch „Kunst an der Grenze“ zum Ausdruck. Durch das von mir kuratierte Projekt „K08 Kunst aus Kärnten von 1945 bis heute fand ihr Streben die Kunstgeschichte nach 1945 in Kärnten umfassend darzustellen eine logische Fortsetzung. Die dreibändige dreisprachige Publikation, die im Springer Verlag erschien, wurde von vielen Menschen geprägt, aber möglich wurde sie nur durch die Katalogredaktion, die Fachkenntnis und die Tätigkeit von Renata Sikoronja, die all unser Streben, Wollen, unsere Ideen und Wünsche zusammenfasste und in eine Form brachte.

Denn um abschließend Renata zu zitieren: Kunst kann und muss per se viel mehr können, als leicht Käufer zu finden, zu gefallen oder vordergründig verstanden zu werden. Genau das ist auch ihre eigentliche Freiheit und Chance. Und ferner ist die Kunst, wie das gesellschaftliche Wertesystem auch, einem stetigen und immer schnelleren Wandel ausgesetzt, und ich halte jene Stimmen (und Augen) für sehr blind, die nicht akzeptieren, dass Kunst heute andere Aufgaben haben sollte, als schick und gesellschaftsfähig zu sein. Kunst heute bedeutet aus meiner Sicht, sich mit Inhalten auseinander zu setzen, mit Gesellschaft, Forschung, Ökonomie, oder anderen neuen Gegenwarten. Daher kann, um eine reiche kulturelle Landschaft zu schaffen und zu pflegen, gegenwärtig nur bedeuten, dass verschiedene Systeme (je mehr desto besser) nebeneinander zugelassen werden müssen.

Die wertvollen Gespräche, ihre Fachkenntnis und ihr stetes Ringen um das Erreichen des hohen, an sich selbst gestellten Qualitätsanspruches in Publikationen und Projekten werden uns fehlen und sind zugleich ein Anspruch diese in ihrem Sinn fortzusetzen.

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