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die4grazien - Salon Gier: Die alte Innerlichkeit

Wenn sich eine Künstlerinnengruppe „Die 4 Grazien“ nennt, dann erinnert dies erstens frappant an die ebenfalls aus vier Köpfen bestehende Fotografie-Performance-Gang „Die Damen“ und ist zweitens so banal, dass dies schon wieder zu interessieren vermag.

Es mag unfair sein, eine Künstlerinnengruppe im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts mit einer zu vergleichen, die in den 1980er-Jahren tätig war. Aufgrund von Formation und Name drängt sich dennoch der Vergleich auf – und er hinkt. Haben die „Damen“ mit ihren witzig-unverkrampften Selbstinszenierungen bestehende Sexismen aufgezeigt, so scheinen sich „Die 4 Grazien“ weitgehend in die nicht gerade neue Innerlichkeit – Stimmung: heiter bis wolkig – zurückzuziehen. „Salon Gier“, so der Titel der Ausstellung, zeigt Gemälde von Sushi essenden Frauen, von Frauen mit Tieren, von Frauen, die sich die Zehennägel lackieren, von Frauen in Netzstrümpfen und Korsagen, von Frauen mit roten Sandalen, von Frauen in der Rückenansicht, von lustigen Frauen, von melancholischen Frauen – und von Interieurs: Prunkräume, Hotelzimmer, schmucke Korridore, zart ausgemalt, an manchen Stellen weiß gelassen. Das alles ist hübsch anzusehen und ausgesprochen harmlos.

Ebenso ungefährlich wirken die „4 Grazien“, wenn sie in ihrem Video zu einem Blondie-Song in transparenten rosa Gewändern turnen und herumulken. Natürlich kommen ihre absichtlich ungeschickten Gymnastik-Bewegungen im Garten, ihre Synchronschwimm-Parodien im kleinen Swimmingpool nicht unlustig; die Kritik an der Formung des Körpers – auch so ein „Frauen-Thema“ – erscheint jedoch in der künstlerischen Umsetzung der Grazien ein wenig altbacken; zuletzt wäre man in den 1970er-Jahren damit dem State of the Art entsprochen.

Das inflationäre Aufkommen von Frauenbildern dient ganz offenkundig nur dazu, über das „Frau-Sein“ im Allgemeinen und im Speziellen zu reflektieren. Nach den Diskursen der letzten Jahrzehnte ist das ein bisschen wenig.
die4grazien - Salon Gier
30.01 - 14.03.2009

Young Austrian Art Barbara Preyer
1070 Wien, Breitegasse 19
Tel: + 43 664 466 96 77, Fax: + 43 1 925 55 95
Email: office@youngaustrianart.com
http://www.youngaustrianart.com
Öffnungszeiten: Mo - Fr 11:00 - 18:00, Sa 11:00 - 14:00


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Die alte Innerlichkeit....
Helga Köcher | 09.03.2009 05:25 | antworten
So sehe ich das auch. Danke, Nina Schedlmayer, für diese pointierte - und wichtige - Kritik am verharmlosenden Umgang sowohl mit dem Thema Frau als auch mit dem Thema Gier. Seltsam auch, die nun durch die "normative Kraft des Faktischen", sprich Krise, etwas ins schlechte Licht geratene Gier ausschließlich an "der Frau" zu verorten!

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