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Ingo Nussbaumer: Nachdenkliche Geometrie

Wer wollte bestreiten, daß etwa \"Las Meninas\" von Velazquez ein vertrackteres Stück Malerei ist als das Schwarze Quadrat von Malewitsch. Vom Bild allerdings stracks auf dessen Bildner zu schließen, hieße, der Moderne eines ihrer Elixiere zu nehmen. Die Dispositionen, Haltungen, Reflektiertheiten der Künstler nehmen an Komplexität durchaus immer noch zu, auch wenn man es ihren Werken nicht ansieht. Die visuelle und die gedankliche Wirklichkeit bewegen sich auseinander.

Ein Paradebeispiel für solche Gegenläufigkeit geben Person und Produktion des Ingo Nußbaumer ab, der momentan bei Hubert Winter ausstellt. Nußbaumers abstrakte Figurationen auf MDF, Papier oder Holz sind von jener glatten Makellosigkeit, jenem Hang zur Ordnung der Geometrie, durch die ein intellektuell gesteuertes Kalkül durchscheint.

Man mag sich an die leeren Diagramme Peter Halleys erinnert fühlen oder an Barnett Newmans Rapporte von Farbfeldern und Linien. Jenseits der rein phänomenalen Ähnlichkeiten hat Nußbaumer mit ihnen die Nachdenklichkeit gemein. Da geht es nicht um Peinture, nicht um Delikatesse oder den Eigenwert von Materialien. Wie meistens, wenn die moderne Kunst sich einfach gibt, steckt hinter der inszenierten Naivität die Selbstbeobachtung, das sich über die Schulter und auf die Finger Blicken.

Nußbaumer beschäftigt sich mit so abgründig fundamentalen Fragen wie jener, was zuerst da war, das Konzept oder die Wahrnehmung. Solcher Metaphysik im Wortsinn sind Bilder natürlich nur noch sehr mittelbar zugänglich. Das Unmittelbare ist demgegenüber das Denken. Der berühmte Pictorial Turn der Moderne - im Bereich der bildenden Kunst gerade hat er nicht stattgefunden.
Ingo Nussbaumer
20.02 - 01.06.2001

Galerie Hubert Winter
1070 Wien, Breite Gasse 17
Tel: +43 1 524 09 76, Fax: +43 1 524 09 76 9
Email: office@galeriewinter.at
http://www.galeriewinter.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa 11-14h

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