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Refeudalisierungsprozesse

Täglich stellt die Frau Direktor des Salzburger Rupertinum ihren PKW auf den selben Parkplatz. Das heißt, sie läßt stellen. Als der dafür abkommandierte Mitarbeiter eines Tages ins Büro kam, den Autoschlüssel überbrachte und meldete, das Fahrzeug stünde heute auf, sagen wir, Nummer B 126 statt auf wie üblich A 108, zog die Frau Direktor den soeben ins Täschchen beförderten Schlüsselbund wieder hervor, schnippte ihn mit feingliedriger Hand über den Schreibtisch und verfügte: "In zehn Minuten steht das Auto auf A 108". So geht es zu, wenn man Angestellte für das Personal und ein öffentliches Museum für die Liegenschaft hält. Die Wirklichkeit der Agnes Husslein: Da findet die Dienstzeit dann ganz zu sich bei der Suche nach dem entlaufenen Hündchen.

Anselm Wagner, einer der besten jungen Kunstwissenschaftler des Landes, hat die Sache beim Namen genannt und in seiner Kolumne für "parnass" das Gebaren der Frau Husslein auf den Begriff "Refeudalisierungsprozesse" gebracht. Weil sich eine solche Ungebührlichkeit auf dem Golfplatz offenbar schnell herumspricht, bekam Frau Husslein die Gelegenheit, sofort, also noch im selben Heft und gleich eine Seite weiter, auf Wagners Text zu replizieren. Sehr offensiv natürlich und zudem angetan mit dem seltsamen Verweis auf eigene etwaige wissenschaftliche Kompetenz. Darüber hinaus vor allem ohne, dass Wagner selbst davon informiert worden wäre.

Nun ließe sich sagen, bei der Erscheinungsweise von "parnass", dessen Ausgaben abwechselnd alle zwei oder alle vier Monate das Licht der Welt erblicken, sei ein solches Prozedere nur leserfreundlich. Das wäre es tatsächlich, doch in eben dem gerade erschienenen Heft repliziert auch Edelbert Köb auf einen Text von Wilfried Seipel, der den Kollegen vom Mumok im vorhergehenden, knapp ein Vierteljahr alten "parnass" auf die Schippe genommen hatte.

Ungleichbehandlungen haben sowieso eine Schlagseite, doch diese besonders. Denn mittlerweile macht es ausgiebig die Runde, dass Frau Husslein die nächste Mumok-Chefin werden soll. Obwohl Köbs Vertrag noch zwei Jahre läuft und er selbst von einer Verlängerung um deren weitere drei ausgeht. Refeudalisierungsprozesse: Dass es bei manchen gleicher zugeht, gehört zur Etikette.

Die Wirklichkeit der Agnes Husslein: Man vermische blaues Blut mit blauer Gesinnung, arbeite für Haider und tue dabei so, als sei nichts geschehen, stelle als Ausweis von aufrechtem Avantgardismus eine Natursekt-Anlage von Gelatin auf, zeige zur Einführung ins neue Haus auf dem Mönchsberg Lichtinstallationen und leiste sich die Prätention, dies, als hätte man nicht vom Münchner Kunstbau bis zum Bregenzer Kunsthaus überall leeren Raum mit buntem Neon vorgeführt, für eine Innovation zu halten, verkaufe die vielen Auftritte bei den Seitenblicken als Publikumserfolg und komme über Wiens Gegenwartskunst wie der Rauschgoldengel über den Heiligen Abend. Nicht zuletzt mache man seine Dissertation über den eigenen Großvater. Ein Doktortitel mag etwas Bürgerliches sein. Doch zumindest das Thema bleibt in der Familie.

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