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Interview mit Stephan Zilkens

Der #Kunstmarktnachcorona. Welche Auswirkungen wird die Corona-Krise auf Galerien, Auktionshäuser und die weiteren Marktteilnehmer wie Kunstversicherer und -transporeure haben? Das artmagazine bringt in einer Serie von Interviews die Einschätzungen internationaler Akteure im Kunstbetrieb.

Kunstversicherungsmakler Stephan Zilkens ist seit über drei Jahrzehnten in der Branche tätig. Er war unter anderem Vorstand der Nordstern Kunstversicherung. Vor zehn Jahren gründete er sein eigenes Maklerunternehmen Zilkens Fine Art in Köln. Zu seinen Kunden zählt die ganze Bandbreite der Marktteilnehmer - von Galerien über Sammler bis zu Museen und Spediteuren. Jedes Jahr zur Art Cologne veranstaltet er das Kölner Kunstversicherungsgespräch, das sich zum Branchentreff entwickelt hat. Seit 2013 gibt er Kobels Kunstwoche heraus, eine kommentierte Presseschau zur Kunstmarktberichterstattung.

artmagazine: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Kunstversicherungsbranche aus?

Stephan Zilkens: Viele Ausstellungen werden verschoben, Kunstmessen fallen aus, der Handel geht zurück und Transporte finden nur in deutlich reduziertem Ausmaß statt. Manche Kunstobjekte müssen länger in z.B. Italien bleiben. Wegen knapper Kassen erwarten die öffentlichen Ausstellungsorganisatoren aber, dass die Verlängerung des Risikos prämienfrei erfolgt. Das sind alles Faktoren, die einem Wachstum der Branche entgegenstehen. Der Kunstversicherungsmarkt wird Umsatzeinbußen zwischen 15% und 25% am Ende des Jahres verkraften müssen. Neue Anbieter, wie die Generali, werden es schwer haben ihr Konzept im Markt unterzubringen, zumal sie das niedrige Preisniveau nicht noch weiter absenken wollen. Auf der Schadenseite gibt es weniger Einzelfälle, allerdings nehmen jetzt Schäden durch Wasser oder mangelhafte Lagerung zu. Lloyd‘s Syndikate versuchen das unzureichende Beitragsniveau anzuheben. Inwieweit das allerdings Auswirkungen auf den Markt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hat, bleibt abzuwarten.

Welche Konsequenzen wird die Corona-Krise auf den Kunstmarkt haben, abgesehen von den aktuellen Veranstaltungs- und Ausstellungsausfällen und -verschiebungen?

Qualität geht immer und hat ein stabiles Preisniveau, wie die letzten Versteigerungen zeigen. Neue Vermarktungsmodelle werden ausprobiert, die primär auf das Internet gerichtet sind. Es fehlt aber generell der persönliche, zufällige Austausch der Sammler und Kuratoren untereinander, wie er auf Messen stattfindet. Das ist gerade für neue Positionen nicht förderlich, weil es länger dauert ins Gespräch zu kommen. Der Rückzug ins Lokale, wie ihn mancher Messemacher propagiert, ist ein Weg ins Provinzielle, weil die Maßstäbe dann auch lokal sind. Es fehlt die globale Messlatte - insofern wird der Kunstmarkt seine globale Präsenz mit internationalen Leitmessen, Auktionen und Ausstellungen aufrechterhalten müssen.

Wird eine Marktbereinigung stattfinden? In welchen Bereichen?

Für manche Galerie und manches Auktionshaus kann es schwer werden. Eine Marktbereinigung würde ich das allerdings nicht nennen. Es ist eher der Rückgang von Möglichkeiten, Aufmerksamkeit zu erhalten, der zu Problemen führt. Ein Überangebot von Kunst kann es eigentlich nicht geben. Dafür ist die Rezeption zu individuell und die Geschmäcker zu verschieden. Von den knapp 8 Milliarden Menschen auf der Erde sollte jeder die Möglichkeit haben, mit Kunst in Berührung zu kommen und sie eventuell zu kaufen.

In den vergangenen Monaten haben fast alle Marktteilnehmer inklusive der Künstler digitale Formate genutzt oder entwickelt. Was davon wird bleiben? Ob und inwieweit wird sich der Markt ins Digitale verschieben?

Ich sehe eher eine Parallelbewegung: Letztlich entscheidet die direkte Erfahrung mit dem Objekt, ob es einen Käufer findet. Über das Internet Interesse wecken: ja, das geht. Verkaufen auch, aber eher in günstigeren Preissegmenten. Und dann gibt es in der EU ja noch das Fernabsatzgesetz, das 14 Tage Rückgaberecht einräumt.

Sehen Sie hier Potential für Kunstversicherungen?

Es gibt derzeit zwei Anbieter, die versuchen, ihre Kunstversicherungsprodukte über das Netz anzubieten. Es handelt sich im Wesentlichen um niedrige Versicherungssummen bis 100.000 Euro. Der Verlauf scheint nicht so erfolgreich zu sein, denn ein Versicherer ist aus dem Konzept wieder ausgestiegen. Der andere Versicherer hat wegen komplexer rechtlicher Fragen die Weiterentwicklung eingestellt. In der Kunstversicherung ist einfach zu wenig Beitragsvolumen, als dass sich hohe Investitionen in dieses Segment auszahlen. Die Versicherung von Kunst muss darüber hinaus oft sehr individuell auf das einzelne Werk ausgerichtet werden. Und da bleibt letztlich nur die persönliche Beratung.

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Abbildung: Stephan Zilkens, © Zilkens Fine Art Insurancebroker GmbH

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