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Kämpfen im Kunstbetrieb

Anfang August wurde in Berlin im Künstlerhaus Bethanien die Gruppenausstellung „Milchstraßenverkehrsordnung: Space is The Place“ eröffnet. Weltraum-Utopien stehen hier zur Disposition, das Motto „Space is The Place“ stammt vom Musiker Sun Ra, afroamerikanische Theorien spielen nämlich u. a. eine Rolle in dieser Show. Dennoch ist nur ein artist of color in der Ausstellung vertreten, stattdessen zudem 18 weiße Künstler und nur drei weiße Künstlerinnen. Diese höchst fragwürdige KünstlerInnenliste rief prompt heftige Proteste hervor, vor allem die (anonyme) AktivistInnengruppe „Soap du Jour“ startete eine -->Facebook-Kampagne, wie sie es bereits zuvor angesichts einer Ausstellung „Im Zweifel für den Zweifel – Die große Weltverschwörung“ letztes Jahr im NRW Forum Düsseldorf (das -->artmagazine berichtete) und angesichts des letzten Gallery Weekend in Berlin getan hatte. Beide Events hatten eine vergleichbar unausgewogene Künstler*innenliste. Ein wenig überraschend aber wurde dieses Mal das eigentlich begrüßenswerte Engagement der Gruppe von prominenter Seite kritisiert, von der Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr nämlich. Sie beklagte in ihrem Radiointerview „Was wichtig wird. Machtkämpfe in der Kultur-Szene“ in erster Linie, dass bei dieser Facebook-Kampagne „auf dem Ticket der Identitätspolitik Machtkämpfe ausgetragen werden“, die „nicht nur der Sache dienen“, sondern nicht selten auch dem eigenen „nach Oben kommen“. Dieses geschieht in dem aggressiv-dynamischen Medium Facebook und so geben bei diesen Kampagnen dann „Verkürzungen“, „heftige Polemiken“ und „abschätzige Kommentare“ immer wieder den Ton an. Zudem entwickle sich ein Formieren von „Gruppen“, die daran arbeiten, andere aus dem Diskurs zu drängen – Stichwort: „cancel culture“. Buhrs Kritik mag zum Teil (noch) eher für derzeitige US-amerikanische Zustände gelten, als für hiesige, doch ist ihre Beschreibung der Tonalität solcher Facebook-Kampagnen leider zutreffend.

Dennoch, und dieses ist entscheidend, spricht auch Elke Buhr diesen „Machtkämpfen in der Kultur-Szene“ ein „emanzipatorisches Anliegen“ selbstverständlich nicht ab. Genau in dieser Spannung liegt das Problem: Einerseits ist die Arbeit von „Soap du Jour“ gegen die Unterpräsentation von Künstlerinnen und artists of color eine dringend notwendige Angelegenheit, andererseits heiligt der Zweck nicht die Mittel, zumal diese Kämpfe kulturpolitisch wohl deutlich effizienter wären, wenn sie zwar klar und engagiert, aber gleichzeitig differenzierter und fairer ausgetragen würden.

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